Katzen mit Leckerlis zueinander locken?
Warum genau das den Streit verschärft
Wenn deine Katzen sich streiten, meiden oder belauern, wünschst du dir, dass sie einander näherkommen, Vertrauen aufbauen und endlich positive Erfahrungen miteinander machen. Und weil Liebe ja angeblich durch den Magen geht, ist eine häufige Empfehlung: Lass deine Katzen beieinander fressen. Lock sie mit Leckerlis zueinander und gib sie ihnen abwechselnd.
Viele Menschen berichten mir, dass es auch scheint, als würde es funktionieren. Die Katzen fressen beieinander. Sie nehmen die Leckerlis. Es sieht alles soweit gut aus. Aber genau das ist eine Falle.
Ich arbeite seit fünf Jahren mit Mehrkatzenhaushalten, und habe mit über 900 Kundinnen an genau diesem Punkt gearbeitet. Ich werde nicht müde, es zu sagen: Das Ziel ist nie Nähe, sondern Wohlbefinden und Sicherheit. Und für Sicherheit brauchen deine Katzen zuerst Distanz.
Das ist das Gegenteil von dem, was wir Menschen versuchen, und es klingt im ersten Moment widersprüchlich. Es ergibt aber Sinn, sobald du verstehst, was beim Locken mit Futter wirklich in deiner Katze passiert. Genau das schauen wir uns hier an, sowie auch, wie du Futter richtig einsetzt.
Du hörst lieber statt zu lesen?
Hier kannst du dir meine zugehörige Podcastfolge anhören:
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Warum wir Nähe mit Harmonie verwechseln
Das Bild von Harmonie, das die meisten im Kopf haben, ist Nähe: alle Katzen auf der Couch, kuschelnd, ein perfekter Moment. Ich kenne dieses Bild gut, denn ich hatte es selbst. Als Yui bei mir einzog, wollte ich genau das. Ich liege eingekuschelt in meine Decke mit meinen beiden Katzen am Sofa und schaue meine Serien.
Die Wirklichkeit sah anders aus. Luna hat Yui belauert, bis Yui irgendwann nicht mehr aufs Klo gehen konnte. Es gab Starren, Fauchen, Knurren und Angriffe. Von Nähe und Harmonie waren wir weit entfernt. Dieser Wunsch nach Nähe ist es, der uns zu den Futtertipps greifen lässt, und genau er ist der Denkfehler.
Nähe ist nicht der Maßstab
Wir schließen aus dem, was wir sehen. Zwei Katzen liegen im selben Raum, also verstehen sie sich. Sie fressen nebeneinander, also ist es nicht so schlimm. Dabei sagt der Abstand allein noch nichts darüber, wie es deiner Katze geht.
Stell dir vor, deine Katzen hätten mehrere Räume zur Verfügung, und in jedem Raum stünde alles, was sie brauchen: Futter, Wasser, Spielzeug, gute Rückzugsorte, Katzenklos und Kratzmöglichkeiten. Würde deine Katze sich dann freiwillig neben die Zweitkatze legen und dort fressen, oder hätte sie lieber einen eigenen Raum für sich?
Ist deine Katze neben der anderen, weil sie deren Nähe schätzt, oder weil sie muss, da es nur dort Futter, einen guten Platz oder dich gibt?
Frei lebende Katzen, die keine engen Freunde sind, halten große Distanz zueinander. Das sind nicht nur ein, zwei Meter, sondern deutlich mehr. Was wir in einer Wohnung Distanz nennen, ist aus Katzensicht ohnehin schon eng. Wer mit Futter noch mehr Nähe erzwingt, drückt zwei Tiere zusammen, die innerlich oft noch gar nicht so weit sind.
Solange Katzen ständig zu Kontakt gezwungen werden, kann der Wunsch nach mehr Kontakt nicht wachsen, weil sie aneinanderkleben, ob sie wollen oder nicht.
Daraus folgt ein neues Ziel: Deine Katzen haben alles, was sie brauchen, ohne in den Kontakt mit der Zweitkatze gehen zu müssen. Auf dieser Grundlage kann Neugier und Interesse entstehen.
Das Ziel der nebeneinanderstehenden Näpfe fällt damit weg. Zwei Näpfe nebeneinander sind erzwungene Nähe. Eine Ausnahme gäbe es nur, wenn einige weitere, gleichwertige Futterstellen in der Wohnung verteilt sind, sodass deine Katzen sich aussuchen könnten, wo sie fressen. Stehen nur zwei Näpfe, und die nebeneinander, bleibt es Zwang.
Hey, ich bin Cindy,
deine Katzentrainerin mit Spezialisierung auf Disharmonie im Mehrkatzenhaushalt. Ich helfe dir, Streit, Angst und Stress zwischen Katzen zu lösen, indem du sie rundum glücklich und kompetent machst. Denn glückliche Katzen machen auch uns Menschen glücklich!
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Dafür sehen wir uns Sofortmaßnahmen an, die du noch heute umsetzen kannst, und beleuchten die drei Ursachen hinter Disharmonie.
Was beim Locken mit Futter wirklich passiert
Lockst du eine Katze mit Futter näher an die andere, passiert häufig Folgendes: Deine Katze blendet die Zweitkatze aus, weil sie das Leckerli will, und bemerkt erst später, wie nah die andere schon ist.
Manchmal steigt daraufhin „nur“ der Stresspegel, unsichtbar, und entlädt sich erst zwei, drei Stunden später bei der nächsten Begegnung. Manchmal gehen die Katzen sofort aufeinander los, sobald das Futter weg ist.
Das Futter überschattet also die Angst oder Unsicherheit in dem Moment nur. Es löst sie aber nicht. Sobald die Ablenkung, also das Futter verschwindet, ist wieder der volle Fokus auf der Zweitkatze.
Futter richtig einsetzen: Abstand belohnen statt Nähe
Statt deine Katzen mit Futter zueinander zu locken, dreh das Ziel um. Belohne deine Katzen dafür, dass sie sich wegdrehen, weggehen, ignorieren, blinzeln, etc.
Diese kleinen Gesten zeigen der Zweitkatze jeweils, dass alles gut ist, und keine Gefahr besteht. Und die Botschaft an die „ausführende“ Katze lautet: Schön, dass du die andere gesehen hast, und dich trotzdem von ihr abgewendet hast. Das war super!
Was unter Katzen als freundlich gilt
Ein Blick in die Katzensprache erklärt, warum das funktioniert. Eine Katze, die starrt oder direkt auf die andere zugeht, wirkt bedrohlich. Eine Katze, die wegschaut, sich abwendet, sich mit sich selbst beschäftigt oder die andere ignoriert, gilt als freundlich und ungefährlich. Belohnst du diese freundlichen Verhaltensweisen, und werden sie dadurch öfter gezeigt, zahlt das auf eine gute Beziehung ein.
Mir ist bewusst, dass das im ersten Schritt unserem menschlichen Wunsch entgegensteht. Wir wünschen uns, dass die Katzen sich aktiv miteinander beschäftigen, nah beieinander liegen und einander putzen. Das sollte aber nicht das Ziel sein.
Worauf es ankommt
Das Ziel im Mehrkatzenhaushalt darf sein, dass sich deine Katzen so sicher fühlen, dass sie spüren: Ich kann mich frei bewegen und alles tun, was ich möchte, solange ich der Zweitkatze nicht schade, und sie schadet mir genauso wenig.
Das führt über kurz oder lang sehr häufig dazu, dass die Katzen von selbst gemeinsame Aktivitäten verfolgen.
Du kannst sehr viel tun, um deinen Katzen zu zeigen, dass die Zweitkatze keine Bedrohung ist. Freundliche Verhaltensweisen zu belohnen ist eine Möglichkeit. In der Regel gibt es allerdings auch tiefergehende Ursachen, warum es überhaupt zwischen den Katzen kracht. Findest du und löst du sie, können deine Katzen eine deutlich stabilere Beziehung aufbauen.
In diesem Blogbeitrag kannst du mehr darüber lesen: Wenn Katzen streiten: Ursachen erkennen und Harmonie im Mehrkatzenhaushalt (wieder-)herstellen
Häufig gestellte Fragen
Nein. Katzen sind Einzeljäger und möchten ihre Beute gerne für sich verspeisen. Trenne daher die Futterplätze idealerweise so, dass kein Sichtkontakt besteht.
Ganz oft liegt es daran, dass dabei die Grenze von einer oder mehr Katzen gesprengt wurde. Futter kann eine Unsicherheit oder Angst überschatten. Ist die Ablenkung, also das Futter weg, eskaliert es auf einmal. Die Anspannung war aber schon die ganze Zeit da, nur eben verdeckt.
Nähe sollte bei Disharmonie und Katzenstreit nie das Ziel sein, sondern dass sich die Katzen wohl und sicher fühlen. Gemeinsame Aktivitäten kommen dann oft von ganz alleine, wenn sich die Katzen sicher sind.
Statt deine Katzen beieinander zu füttern, kannst du freundliches Verhalten belohnen. Dazu gehört unter anderem Wegdrehen, Weggehen, Ignorieren und Blinzeln. Damit zeigt eine Katze der zweiten, dass keine Gefahr besteht.
Hey, ich bin Cindy,
deine Katzentrainerin mit Spezialisierung auf Disharmonie im Mehrkatzenhaushalt. Ich helfe dir, Streit, Angst und Stress zwischen Katzen zu lösen, indem du sie rundum glücklich und kompetent machst. Denn glückliche Katzen machen auch uns Menschen glücklich!
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