Wohnung aus Katzensicht
Warum deine schöne Wohnung Stress auslösen kann
„Tut mir leid für das Chaos.“ Diesen Satz höre ich fast jedes Mal, wenn mir eine Katzenhalterin zum ersten Mal ihre Wohnung zeigt. Und fast jedes Mal schaue ich mir das an und sehe: kein Chaos.
Ein Kratzbaum steht wo. Ein bisschen gefaltete Wäsche liegt am Tisch. Ein bisschen Katzenfutter liegt wo herum. Ein Karton ist vielleicht im Wohnzimmer. Der Rest sieht aus wie aus dem Möbelkatalog. Trotzdem steht da ein Mensch und entschuldigt sich für sein eigenes Zuhause.
In meinen Augen sind die meisten Wohnungen zu wenig chaotisch. Denn genau die Wohnung, die für uns Menschen perfekt aussieht, ordentlich, leer, durchgestylt, kann für eine Katze schwierig sein. Eine schöne Wohnung und eine katzengerechte Wohnung sind nicht dasselbe. Manchmal stehen sie sogar im Gegensatz zueinander.
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Das Wichtigste in Kürze
Deine Katze bewertet eure Wohnung nicht nach Ordnung, sondern nach Sicherheit. Eine schöne, leere, aufgeräumte Wohnung kann aus Katzensicht stressig sein, weil Rückzugsorte, Wege und Wahlmöglichkeiten fehlen. Was für menschliche Augen nach Chaos aussieht, erfüllt oft genau die Bedürfnisse, die deine Katze entspannt leben lassen.
Deswegen ist mein wichtigster Impuls für dich: Deine Wohnung darf so aussehen, als würden Mensch & Katze darin wohnen. Ein bisschen Chaos gehört dazu, und muss sogar vorhanden sein, damit sich deine Katzen wohlfühlen. Also: Schluss mit Entschuldigungen!
Was heißt es, die Wohnung aus Katzensicht zu sehen?
Die Wohnung aus Katzensicht zu sehen bedeutet, deine Räume nach den Bedürfnissen deiner Katzen zu bewerten statt nach menschlichen Ordnungsregeln. Wir Menschen schauen auf Wohnräume fast immer durch dieselbe Brille: ordentlich ist gut, minimalistisch ist schön, leer ist aufgeräumt. Sobald man sieht, dass jemand darin lebt, gilt es schnell als chaotisch.
Deine Katze bewertet denselben Raum nach anderen Maßstäben. Sie fragt nicht, warum ein Katzenklo in der Küche steht. Sie fragt, ob sie hier sicher leben kann. Genau dieser Perspektivwechsel ist eine der Säulen meines Glückliche-Katzen-Konzepts: Wir dürfen die Haltung so optimieren, dass sich deine Katzen wirklich wohl und sicher fühlen.
Warum eine schöne Wohnung Stress auslösen kann
Ich sehe in meiner Beratung Wohnungen, die aus menschlicher Sicht wunderschön sind. Alles hat seinen Platz, viel Licht, klare Linien, wenig Ablenkung. Aus Katzensicht ist es dort oft schwierig: kaum Rückzugsorte, wenig nutzbarer Raum, zu wenige Wege, um der Partnerkatze auszuweichen, Ressourcen so knapp, dass jeder Napf und jede Toilette zum möglichen Konflikt wird.
Hältst du einen Raum recht leer und offen, begegnen sich zwei Katzen darin direkter und angespannter, weil es keine Struktur gibt, die den Blickkontakt unterbricht oder einen Umweg erlaubt. Dann entsteht Stress bei Katzen, der sich in Streit, Unsauberkeit oder einer Katze zeigt, die ständig läuft, fordert und nicht zur Ruhe kommt. Diese Katzen machen keine Probleme. Sie kommen mit einer Umgebung (nicht) klar, die ihre Bedürfnisse nicht abbildet.
Warum sich so viele Katzenmenschen für ihr Zuhause schämen
Eine Wohnung ist dazu da, dass man darin wohnt, und nicht, dass man sie verkauft. Trotzdem tragen viele Halterinnen die Idee mit sich, ihr Zuhause müsste jederzeit aussehen wie auf einem Verkaufsfoto. Diese Idee sitzt tief, und sie wird größer, sobald Katzen einziehen, weil Katzen sichtbare Spuren hinterlassen.
Hinter der Entschuldigung steckt oft gar nicht das Bedürfnis, dass alles perfekt sein muss, sondern eine leise Angst, für das vermeintliche Chaos verurteilt zu werden. Diese Angst kenne ich aus hunderten Gesprächen. Wer zu mir kommt, wird nicht bewertet. Und ich sage dir klar: Die Dinge, für die du dich schämst, sind in vielen Fällen genau die Dinge, die deine Katzen brauchen, um entspannt zu leben.
Diese Fragen stellt sich deine Katze in eurer Wohnung
Deine Katzen stellen sich unbewusst immer wieder dieselben Fragen, während sie sich durch die Wohnung bewegen. Wenn du sie kennst, verstehst du sofort, warum eine schöne Wohnung aus Katzensicht trotzdem schwierig sein kann:
- Kann ich Abstand halten, wenn ich das brauche?
- Gibt es Wege, auf denen ich der zweiten Katze nicht zwingend begegne?
- Habe ich eine Wahl, oder gibt es nur einen einzigen Weg?
- Wo kann ich mich zurückziehen, wenn mir alles zu viel wird?
- Wo fresse ich, wenn die zweite Katze gerade an der einzigen Futterstelle steht?
- Wo gehe ich aufs Klo, ohne dass mir dabei aufgelauert wird?
Das, was es braucht, um diese Fragen mit Ja zu beantworten, sieht für und Menschen oft nach Unordnung aus. Für deine Katze ist es Sicherheit.
Was nach Chaos aussieht und in Wahrheit Bedürfnisse erfüllt
Wenn ich eine Wohnung analysiere, sehe ich andere Dinge als ihre BewohnerInnen. Ein paar Beispiele:
Gegenstände auf dem Boden
Unabhängig davon, ob es Katzenspielzeug oder irgendwelche anderen Gegenstände sind: Alles, das auf dem Boden liegt, kann für Katzen eine Möglichkeit zur Beschäftigung – oder zum Sicherfühlen (zB. Karton, Handtuch, etc.) – sein. Entsprechend finde ich es sehr gut, wenn der Boden nicht komplett aufgeräumt ist.
Herumliegendes Futter
Verschiedenste Näpfe, Futterspielzeuge oder auch einfach direkt Futter auf dem Boden oder auf Möbelstücken, deutet darauf hin, dass eine Katze sich mit ihrem Futter beschäftigen kann, und Auswahlmöglichkeiten hat. Das ist eine der artgerechtesten Beschäftigungen, weil sie Katzen auch in der Natur ihr Futter erarbeiten müssen, und dafür ganz viele verschiedene Orte haben.
(Zerstörte) Kratzmöbel
Kratzmöbel sind eine wunderbare Möglichkeit, sich zu dehnen, eigene Gerüche zu verteilen und Stress abzubauen. Umso mehr davon vorhanden sind, umso besser ist es. Und umso angekratzter die Möbel wirken, umso mehr Sicherheit schenken sie den Katzen in der Regel.
Warum „es hat ja immer funktioniert" trügt
Einer der Gründe für diesen Beitrag ist, dass ich immer wieder Beratungen mit Menschen mit menschlich perfekten Wohnungen habe, in denen es nach einer guten Weile plötzlich zu Unsauberkeit oder Streit kommt. Was ich dann als erstes höre, ist oft: „Aber es hat ja bisher immer funktioniert.“ In vielen Fällen hat es das allerdings nicht.
Katzen sind Meister im Anpassen. Das heißt nicht, dass alles gut ist. Es heißt, dass sie sehr lange still bleiben, bevor sie zeigen, dass ihnen etwas fehlt.
Beispiel: Eine Katze lauert der anderen am Klo auf. Die belauerte Katze fühlt sich dort nicht mehr sicher, geht aber trotzdem noch eine ganze Weile auf genau dieses Klo, bis sie irgendwann sagt: Ich kann das nicht mehr. Dann sucht sie sich ein neues Klo, und das wird mitunter auf der Couch sein.
Mehr dazu, wie du erkennst, wenn eine Katze der anderen am Klo auflauert, und was du dann tun kannst, erfährst du in diesem Beitrag.
Anderes Beispiel: Eine Katze gilt als schüchtern. Sie versteckt sich ständig unterm Bett, bleibt fast nur im Schlafzimmer, sucht kaum Nähe. Schaut man sich die Wohnung an, fällt auf: keine erhöhten Plätze, keine Verstecke, kein Sichtschutz. Diese Katze hat keine andere Wahl. Wenn sie sich sicher fühlen will, muss sie unters Bett.
Wie du deiner ängstlichen Katze helfen kannst, teile ich mit dir in diesem Beitrag.
Der Katzensicht-Blick: schau auf Engstellen, nicht auf Ordnung
Versucht deine Wohnung gerne einmal aus Katzensicht anzuschauen. Stell dich an den Eingang eines Raums und schau mit Katzenaugen. Wenn du magst, leg dich sogar kurz auf den Boden und schau mal, wie die Welt von unten aussieht.
- Wo sind Engstellen, an denen eine Katze die andere blockieren kann?
- Wo sind Ressourcen in Sackgassen?
- Wo sind Ressourcen so eng beieinander, dass die Katzen sich nicht aus dem Weg gehen können?
- Wo gibt es nur einen Weg, und wo hilft ein zweiter?
Du musst nicht alles auf einmal verändern. Eine Stelle reicht, um anzufangen.
Fazit: Dein Zuhause darf nach Katze aussehen
Es geht nicht darum, die Wohnung zu vermüllen. Ordnung darf dir natürlich wichtig sein.
Allerdings darf ein Zuhause mit Katzen sichtbar nach Katzen aussehen – mit Kartons und Höhlen mitten im Raum, Decken und Spielteppichen auf dem Boden, Catwalks an der Wand, quer durchs ganze Zimmer, Kratzmöglichkeiten überall verteilt, vielen verschiedenen Futterstellen, und vielem mehr.
Das ist nichts, wofür sich jemand schämen müsste. Denn es zeugt davon, dass dir deine Tiere wichtig sind, und dass in der Wohnung gelebt wird.
Wenn du tiefer einsteigen und wirklich verstehen willst, welche Bedürfnisse deine Katzen haben und wie du sie bei dir zu Hause erfüllst, ist mein Kurs „Bedürfnis? Erfüllt!“ dein nächster Schritt.
Hey, ich bin Cindy,
deine Katzentrainerin mit Spezialisierung auf Disharmonie im Mehrkatzenhaushalt. Ich helfe dir, Streit, Angst und Stress zwischen Katzen zu lösen, indem du sie rundum glücklich und kompetent machst. Denn glückliche Katzen machen auch uns Menschen glücklich!
Deine Katzen streiten sich ständig?
Eine Katze zieht sich immer mehr zurück oder reagiert aggressiv?
In meinem Leitfaden um 0 € erfährst du, wie du es schaffst, dass sich deine Katzen besser verstehen.
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Häufig gestellte Fragen
Unter Umständen ja. Eine schöne, „leere“ Wohnung kann aus Katzensicht schwierig sein, wenn Rückzugsorte, Verstecke und alternative Wege fehlen. Auf einer offenen Fläche begegnen sich Katzen direkter, und es gibt keine Struktur, die Blickkontakt unterbricht oder einen Umweg erlaubt. Schön und katzengerecht ist nicht dasselbe.
Es bedeutet, deine Räume nach den Bedürfnissen deiner Katze zu bewerten statt nach menschlichen Ordnungsregeln. Deine Katze fragt nicht, warum ein Katzenklo in der Küche steht, sondern ob sie sich sicher fühlen, ausweichen und sich bei Bedarf zurückziehen kann.
Katzen passen sich sehr lange an, bevor sie zeigen, dass ihnen etwas fehlt. Ein Blick aus Katzensicht zeigt dir, ob deine Katzen wirklich genug Wahlmöglichkeiten haben.
In vielen Fällen leider erstmal gar nicht, sofern du es nicht testest, ob deine Katze andere Optionen bevorzugt (Beispiel: zwei Toiletten mit verschiedener Streu hinstellen und beobachten, welche Streu lieber genutzt wird).
Im späteren Verlauf erkennst du es ggf. an Streit, Unsauberkeit, einer Katze, die einen Bereich meidet, oder einer, die ständig wegläuft.
Hey, ich bin Cindy,
deine Katzentrainerin mit Spezialisierung auf Disharmonie im Mehrkatzenhaushalt. Ich helfe dir, Streit, Angst und Stress zwischen Katzen zu lösen, indem du sie rundum glücklich und kompetent machst. Denn glückliche Katzen machen auch uns Menschen glücklich!
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