Erst du, dann deine Katze
Warum Selbstfürsorge Katzenliebe ist
Du kommst gestresst von der Arbeit nach Hause. Die Spielangel liegt bereit, die Leckerlis auch. Du weißt, du solltest jetzt noch mit ihr spielen und trainieren. Also setzt du dich auf den Boden, hältst die Angel in die Luft, und deine Katze schaut kurz hin und geht einfach weg.
Du fragst dich: Liegt irgendetwas mit ihr im Argen? Was kann ich noch besser machen? Mache ich irgendetwas falsch?
Wenn deine Katze sich grundsätzlich mehr zurückzieht und weniger motiviert ist, muss natürlich tiefer geschaut werden. Schmerzen, Veränderungen in der Umgebung, Konflikte mit einer anderen Katze, etc. Das darf tiefer analysiert werden.
Es gibt aber einen Faktor, der häufig übersehen wird, und der hat mit dir zu tun. Und das ist eine gute Nachricht: Denn das kannst du sofort angehen.
Du hörst lieber statt zu lesen?
Hier kannst du dir meine zugehörige Podcastfolge anhören:
Wie deine Katze spürt, wie es dir geht
Wir Menschen nehmen die Emotionen anderer wahr, ohne dass ein Wort gesagt werden muss.
Stell dir vor: Dein Partner oder deine Partnerin kommt nach Hause. Die Arbeit war anstrengend und mühsam. Die Stimmung ist auf dem Nullpunkt. Äußerlich sagt er oder sie kaum etwas darüber. Aber du merkst es sofort. Du spürst, dass da jemand total fertig ist. Und deine eigene Energie verändert sich in diesem Moment, auch wenn du selbst ruhig bist und bei dir alles in Ordnung ist.
Genau das passiert in deiner Beziehung zu deiner Katze.
Wenn du gestresst bist, verändert sich dein Körper messbar: Dein Puls steigt, deine Atmung wird flacher und schneller, deine Bewegungen werden hektischer und deine Muskulatur angespannter. Das passiert automatisch, ohne dass du aktiv etwas tust. Und deine Katze nimmt all das wahr, ohne dass du ihr etwas erklären musst.
Das ergibt auch aus Sicht des Zusammenlebens Sinn: Für soziale Tiere ist es wichtig, Spannungen und Unsicherheit in ihrer Umgebung wahrzunehmen. Wenn jemand angespannt ist, kann das ein Hinweis sein: Da könnte etwas nicht stimmen. Auch Katzen orientieren sich deshalb nicht nur an direkten Reizen, sondern auch an der Stimmung und Körpersprache ihrer Bezugspersonen.
Was das in deiner Katze auslöst
Wenn du sehr angespannt bist, kann das bei deiner Katze ebenfalls Anspannung auslösen oder vorhandenen Stress verstärken. Manche Katzen gehen dann eher auf Abstand, andere werden unruhiger oder wirken plötzlich „drüber“.
Sehr oft üben wir auch unbewusst Druck auf sie aus. Wir Menschen haben dann oft das Gefühl „Ich muss jetzt noch mit der Katze spielen, auch wenn ich keine Lust hab.“ oder „Wir müssen jetzt trainieren, weil wir sonst nicht vorankommen.“.
Dieser Druck kann dazu führen, dass Katzen noch weniger offen für Spiel, Training oder Kontakt sind.
Stell dir vor, du wärst deine Katze, und du merkst: Dein Mensch ist gerade angespannt, innerlich woanders und nicht wirklich präsent. Er hält zwar die Spielangel in der Hand, aber seine Energie sagt etwas ganz anderes. Wie verspielt und offen bist du in diesem Moment? Vor allem, wenn sogar dein Mensch, deine Sicherheitsperson, gerade nicht ruhig und sicher wirkt?
Eine Katze unter Druck kann oft nicht ausgelassen spielen. Sie kuschelt nicht entspannt. Sie kann im Training weniger offen oder weniger konzentriert sein. Das ist eine völlig normale Reaktion auf eine Situation, die ihr unangenehm ist.
Wenn Stress kein Ausnahmefall mehr ist
Einen schlechten Tag zu haben ist normal. Eine Woche unter besonderem Druck zu stehen ist normal. Das gehört zum Leben dazu.
Anders sieht es aus, wenn Stress zum Dauerzustand wird. In meiner Arbeit mit KatzenhalterInnen sehe ich es regelmäßig: Katzen, die anfangen miteinander zu streiten. Katzen, die unsauber werden. Katzen, die sich in ein Zimmer zurückziehen und kaum noch rauskommen. Wenn ich mir anschaue, wie es den Menschen in diesen Haushalten geht, ist anhaltende Stressbelastung sehr häufig ein Teil des Bildes.
Denn natürlich stresst auch (Katzen-)Streit im eigenen Haushalt oder die Unsauberkeit uns Menschen enorm.
Und diese Erkenntnis bedeutet, dass dein Wohlbefinden und das deiner Katzen direkter miteinander verbunden sind, als du denkst. Und dass es sich lohnt, auch dort hinzuschauen.
Du darfst dich um dich kümmern
In meiner Beratungsarbeit frage ich am Anfang immer auch, wie es dem Menschen geht. Was ich dann höre, klingt meistens ungefähr so: Ich bräuchte mal Urlaub. Ich würde gerne öfter mal rausgehen. Ich lese schon seit Monaten nichts mehr. Aber ich kann das ja auch nicht, weil ich mich um die Katzen kümmern muss, um den Partner, um die Familie.
Das verstehe ich. Und ich sage dir trotzdem: Du darfst das. Du darfst dir täglich etwas gönnen. Du darfst dein eigenes Glas auffüllen. Das ist die Voraussetzung dafür, dass du überhaupt etwas geben kannst. Wer aus leerem Glas schöpft, hat nichts zum Weitergeben.
Deswegen ist eine große Bitte von mir immer: Fang mit dir an – am besten täglich. Es muss nicht perfekt sein, aber es darf und sollte nach Möglichkeit regelmäßig passieren. Das kann sich auf das Verhalten deiner Katzen auswirken, weil dein Stresspegel über Zeit sinkt, wenn du regelmäßig für dich sorgst. Und diesen Unterschied nehmen viele Katzen wahr.
Das Gute: Du brauchst dafür keine fünf Stunden am Tag. Kleine Momente mit echter Wirkung machen den Unterschied. Drei Minuten bewusstes Atmen, ein kurzer Spaziergang nach der Arbeit, ein Kaffee auf dem Balkon ohne Handy, eine kurze Yoga-Session, einmal die Woche der Tanzkurs, nach dem du dich immer besser fühlst. Diese Momente zählen. Sie senken deinen Stresspegel über die Zeit, und deine Katzen nehmen den Unterschied wahr.
Bei mir ist das täglich ein fester Termin im Kalender: Date mit mir. Dieser Termin ist genauso verbindlich wie eine Arbeitsbesprechung oder die Trainingseinheit mit den Katzen. Besonders in Phasen mit sehr viel Arbeit fällt mir das schwer. Und besonders in diesen Phasen ist er am wichtigsten.
Zeit für eine Pause
Wenn du das Gefühl hast, du musst durchgehend bei deinen Katzen sein, hilft es oft, auf Pause zu drücken. Dafür braucht es häufig Management: Ein Katzensitter, eine räumliche Trennung der Katzen, oder aber auch einfach nur Futterbeschäftigung in verschiedenen Räumen.
Eine Alternative ist Training: den Katzen beizubringen, was sie tun können, wenn du dich selbst beschäftigst – zum Beispiel über Ruheplätze.
Die 3-Minuten-Übung für deinen täglichen Reset
Bevor du jetzt allerdings lange überlegst, habe ich eine kurze Übung für dich mitgebracht. Du brauchst für diese Übung nichts außer drei Minuten und einem ruhigen Moment. Sie funktioniert auf der Couch, im Auto nach der Arbeit oder auch bevor du aus dem Bett aufstehst.
Schritt 1: Gib dir auf einer Skala von 1 bis 10 eine Zahl dafür, wie es dir gerade geht. 1 ist das untere Ende, 10 das obere. Nimm die erste Zahl, die dir in den Kopf kommt.
Schritt 2: Stell dir einen 3-Minuten-Timer.
Schritt 3: Schließe die Augen. Deine einzige Aufgabe ist es, auf deine Atmung zu achten. Tief einatmen, langsam ausatmen. Wenn deine Gedanken abschweifen, und das werden sie, bring sie zurück zur Atmung.
Wenn dir das sehr schwer fällt, geh alternativ in deiner Aufmerksamkeit langsam durch deinen Körper. Wie fühlen sich deine Füße an? Deine Beine, dein Bauch, dein Rücken, dein Nacken, deine Schultern? Was fühlt sich angespannt an, was ist entspannt? Tut dir irgendetwas weh? Das Ziel ist ausschließlich: beobachten und fühlen, keine Aufgaben ableiten, keine Vorsätze fassen.
Schritt 4: Nach den drei Minuten frage dich wieder, wie es dir geht. Fühl wirklich in dich hinein und gib dir wieder eine Zahl von 1 bis 10. Schau, was sich verändert hat. Schau danach auch, wie sich deine Katze verhält, falls sie gerade bei dir ist.
Für viele Menschen wird die Übung mit der Zeit leichter. Die ersten Male ist es schwer, die Aufmerksamkeit bei der Sache zu halten. Das kenne ich selbst. Mit der Zeit entspannst du dich immer schneller.
Co-Regulation: warum deine Ruhe deiner Katze helfen kann
In der Verhaltens- und Bindungsarbeit spricht man in solchen Zusammenhängen häufig von Co-Regulation. Co-Regulation beschreibt den Prozess, bei dem ein ruhiges, geerdet fühlendes Nervensystem das Nervensystem eines anderen reguliert und beruhigt. Das funktioniert zwischen Menschen, und es funktioniert auch zwischen Mensch und Tier.
Ein Beispiel: Deine Katze erschreckt sich durch ein lautes Geräusch. Wenn du in diesem Moment selbst ruhig und geerdet bist, wenn du keinen Alarm schlägst, wird sie das wahrnehmen. Deine Ruhe signalisiert ihr, dass kein wirklicher Grund zur Panik vorhanden ist. Das hilft ihr, sich schneller selbst wieder zu beruhigen.
Was das für deinen Alltag bedeutet
Überlege dir gerne Wege, wie du dir selbst etwas Gutes tun kannst. Dafür gibt es unzählige Wege.
Die 3-Minuten-Übung habe ich dir hier mitgegeben. Es gibt auch diverse Atemmuster, die Klopfakupressur, das Heilströmen, TTouches, etc. Teste gerne verschiedene Wege aus und nutze das, das sich für dich am besten anfühlt.
Neben diesen Miniübungen sind auch Sport und Zeit in der Natur sehr hilfreich. Wind, Erde, Wasser und Wetter zu spüren. Das kannst du sogar gezielt einplanen. Wenn du einen stressigen Tag hattest, kannst du zum Beispiel einen kleinen Umweg machen und kurz spazieren gehen.
Kommst du doch gestresst nach Hause, lass die Spielangel erstmal liegen, und komm erstmal selbst an. Du musst deiner Katze gegenüber nichts aufholen und nichts abarbeiten. Wenn du selbst zur Ruhe gekommen bist, bist du wirklich präsent für sie. Dann klappt alles direkt viel besser.
Und wenn mal wieder das schlechte Gewissen anklopft, denke immer daran: Selbstfürsorge ist Katzenliebe. Denn aus einem vollen Glas kannst du immer mehr geben, als aus einem leeren.
Im Kurs „Glücklicher Mehrkatzenhaushalt“ gibt es ein eigenes Bonus-Modul mit kurzen Audios und geführten Übungen, die alle unter fünf Minuten dauern. Die Arbeit mit deinen Katzen beginnt bei dir. Wenn du schon im Kurs bist, nutze dieses Modul für dich.
Hey, ich bin Cindy,
deine Katzentrainerin mit Spezialisierung auf Disharmonie im Mehrkatzenhaushalt. Ich helfe dir, Streit, Angst und Stress zwischen Katzen zu lösen, indem du sie rundum glücklich und kompetent machst. Denn glückliche Katzen machen auch uns Menschen glücklich!
Deine Katzen streiten sich ständig?
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In meinem Leitfaden um 0 € erfährst du, wie du es schaffst, dass sich deine Katzen besser verstehen.
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Häufig gestellte Fragen
Ursachen für Stress bei Katzen gibt es viele. Häufige Auslöser sind Schmerzen oder Krankheiten, Veränderungen in der Umgebung wie ein Umzug oder neue Mitbewohner, Konflikte mit anderen Katzen im Haushalt oder auch Langeweile.
Auch der emotionale Zustand der im Haushalt lebenden Menschen spielt eine Rolle: Katzen nehmen Stress, Anspannung und Druck ihrer HalterInnen über Körpersprache, Atemfrequenz und Herzschlag wahr und reagieren darauf.
Es lohnt sich, alle diese Faktoren gemeinsam anzuschauen.
Co-Regulation bedeutet vereinfacht gesagt, dass du deine Katze beruhigen kannst, indem du selbst ruhig bist und bleibst.
Wenn du selbst entspannt bist und deine Katze erschrickt oder aufgeregt ist, wird sie deine Ruhe wahrnehmen und sich in deiner Gegenwart schneller beruhigen.
Das kann in beide Richtungen wirken. Bist du sehr gestresst, kann das auch deine Katze beeinflussen oder vorhandene Anspannung verstärken. Deswegen ist es wichtig, dass gut auf dich achtest und dir selbst täglich etwas Gutes tust.
Drei Minuten täglich sind ein mega guter Anfang. Es geht bei dieser Übung nicht um Dauer, sondern um Regelmäßigkeit. Täglich drei Minuten bewusstes Atmen oder ein kurzer Körper-Check-in kann einen großen Unterschied machen.
Nein, in der Regel nicht. Dazu gehört normalerweise deutlich mehr dazu. Dein Stress kann allerdings ein Faktor sein, der berücksichtigt werden darf. Insbesondere dann, wenn es darum geht, dass du etwas mit deiner Katze machen möchtest, es aber nicht klappt – zum Beispiel, wenn deine Katze keine Lust zum Spielen oder für Training hat.
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