Katze fordert ständig Aufmerksamkeit: Das steckt dahinter

Katze fordert ständig Aufmerksamkeit

Warum sie nicht zur Ruhe kommt

Deine Katze steht schon wieder neben dir.

Vor zehn Minuten habt ihr gespielt, danach gab es Futter, und jetzt sitzt sie da und schaut dich an. Du legst das Handy weg, stehst auf, machst mit. Eine Viertelstunde später beginnt das Ganze von vorn.

Wenn du meinen Beitrag darüber gelesen hast, warum du deine Katze nicht ignorieren solltest, hast du an dieser Stelle womöglich gedacht: Schön und gut, aber meine Katze will ohnehin schon den ganzen Tag etwas von mir. Wenn ich jetzt auch noch auf jede Kontaktaufnahme reagiere, komme ich gar nicht mehr zur Ruhe.

Die Frage ist berechtigt: Muss ich jetzt zur DaueranimateurIn für meine Katze werden?

Die Antwort ist kurz: nein.

Kommunikation zuzulassen heißt nicht, dass du jeden Wunsch sofort erfüllst, und es heißt auch nicht, dass du ab jetzt rund um die Uhr für Unterhaltung zuständig bist. Trotzdem lohnt sich ein genauer Blick, wenn deine Katze gefühlt pausenlos etwas einfordert. Die spannendere Frage ist nämlich, warum es ihr so schwerfällt, zur Ruhe zu kommen.

In diesem Beitrag gehen wir die fünf häufigsten Ursachen durch, die ich in meinen Beratungen sehe. Danach zeige ich dir, wie du einen Alltag baust, in dem deine Katze entspannen kann, wie du einen Ruheort und ein Entspannungssignal aufbaust und woran du erkennst, dass es an der Gesundheit liegt.

Du hörst lieber statt zu lesen?

Hier kannst du dir meine zugehörige Podcastfolge anhören:

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Das Wichtigste in Kürze

Eine Katze, die ständig Aufmerksamkeit fordert, ist keine schlecht erzogene Katze, sondern eine Katze, in deren Alltag etwas fehlt. Meist steckt eines von fünf Themen dahinter: unerfüllte Bedürfnisse, Angebote, die sie wegen der Zweitkatze nicht nutzen kann, ein Alltag ohne verlässliche Abläufe, unzuverlässige Antworten von dir oder fehlende Erfahrung im Herunterfahren. Ignorieren löst keine dieser Ursachen, sondern lässt deine Katze in vielen Fällen lauter werden. Was hilft, ist eine Beschäftigungsroutine mit wiederkehrenden Ankern, klare und verlässliche Antworten sowie ein trainierter Ruheort mit Entspannungssignal. Bei plötzlicher Unruhe gehört immer eine tierärztliche Abklärung an den Anfang.

Du musst nicht immer alles sofort erfüllen

Deine Katze darf dir sagen, was sie möchte. Du darfst trotzdem sagen: später, heute nicht oder jetzt ist fertig. Das eine schließt das andere nicht aus.

Wie du diese drei Signale aufbaust und warum Verlässlichkeit dabei alles entscheidet, habe ich in Teil 1 ausführlich beschrieben: warum du deine Katze nicht ignorieren solltest.

Hier geht es um die Ebene darunter. Denn wenn eine Katze alle paar Minuten neben dir steht, ist das ein Hinweis, dass noch etwas nicht passt.

Fünf Gründe, warum deine Katze nicht zur Ruhe kommt

1. Ihre Bedürfnisse sind nicht gedeckt

Der häufigste Grund, warum Katzen nicht zur Ruhe kommen, ist, dass Bedürfnisse nicht erfüllt sind.

Wenn eine Katze zum Beispiel den ganzen Tag kaum Beschäftigung hat, nutzt sie jede freie Minute ihres Menschen. Ein typischer Tag sieht so aus: morgens gibt es kurz etwas zu fressen, dann geht der Mensch acht Stunden arbeiten, am Abend gibt es noch einmal Futter, und danach soll die Katze schlafen. Für viele Katzen ist das zu wenig.

Eine Katze braucht sinnvolle Möglichkeiten, sich selbst zu beschäftigen, und dazu eine gemeinsame Routine mit dir.

Was ich in Beratungen am häufigsten sehe: Es gibt keine echte Beschäftigungsroutine, keine Konstanten, die sich wiederholen, und das Futter landet direkt im Napf, statt dass die Katze dafür arbeiten darf. Der Katze wird schlicht langweilig.

2. Sie kann die Angebote nicht nutzen

Im Mehrkatzenhaushalt kann ein anderes Problem dazukommen. Es gibt theoretisch viele Angebote, deine Katze kommt aber nicht entspannt an sie heran.

Das Fummelbrett steht da, die Zweitkatze sitzt daneben. Der Liegeplatz ist toll, der Weg dorthin führt an der Zweitkatze vorbei. Spielen wäre möglich, deine Katze traut sich aber nicht, weil sie beim letzten Mal angegriffen wurde.

Dann konzentrieren sich sehr viele Bedürfnisse auf dich. Du wirst zum sicheren Spielpartner, zum Futterlieferanten, zum Türöffner, zum Schutz und zur einzigen wirklich entspannten Beschäftigungsmöglichkeit. Auch hier bringt Ignorieren nichts, weil die Katze die vorhandenen Möglichkeiten weiterhin nicht nutzen kann.

Wie subtil solche Blockaden ablaufen, siehst du gut daran, wenn deine Katze am Klo bedrängt wird. Am Futterplatz, am Liegeplatz und am Kratzbaum passiert genau dasselbe, nur fällt es dort seltener auf.

3. Ihr Tag ist nicht vorhersehbar

Wenn deine Katze nie weiß, wann etwas Schönes passiert, fragt sie immer wieder nach. Wann gibt es Futter? Wann spielen wir? Wann trainieren wir? Darf ich jetzt auf den Balkon? Hast du jetzt Zeit? Jetzt? Und jetzt?

Das kennst du vielleicht von dir selbst. Wenn du auf eine wichtige Nachricht wartest und nicht weißt, wann sie kommt, schaust du ständig aufs Handy. Weißt du dagegen, dass die Person sich am Abend meldet, kannst du das Thema loslassen.

Verlässliche Abläufe geben deiner Katze genau diese Entlastung. Jeder Tag muss dafür nicht auf die Minute gleich sein, es braucht nur wiederkehrende Anker.

4. Deine Antworten sind nicht verlässlich

Dieses Problem erzeugen wir Menschen selbst, ohne es zu merken.

Wir sagen „fertig“, die Katze miaut noch fünf Minuten, und dann spielen wir doch weiter. Wir sagen „leider nein“, die Katze springt auf den Tisch, wirft etwas herunter, und dann bekommt sie das Futter doch.

Aus Sicht deiner Katze läuft es darauf hinaus: Wenn ich etwas will, muss ich mich mehr anstrengen, durchhaltevermögender oder lauter sein.

Genau daraus entsteht auch das Muster, bei dem eine Katze die Zweitkatze angreift, weil ihr Mensch darauf zuverlässig reagiert. Das haben wir uns in Teil 1 schon ausführlich angesehen.

5. Sie hat nie gelernt herunterzufahren

Manche Katzen sind sehr aktiv. Das kann so weit gehen, dass sie deutlich weniger schlafen, als ihnen guttun würde.

Diese Katzen brauchen Unterstützung beim Entspannen. Denn Entspannung lässt sich trainieren. Dazu kommen wir gleich.

So baust du einen Alltag, in dem deine Katze zur Ruhe kommt

Schritt 1: Nutze Futterbeschäftigung, statt es einfach im Napf anzubieten. Ob Fummelbretter, Snackbälle, Suchspiele, Schleckmatten oder sonstige Futterspiele, du kannst Futter als echten Teil der Beschäftigung nutzen. In der Natur müsste sich eine Katze auch jedes Futter erarbeiten. 

Schritt 2: Bring Abwechslung nach Hause. Kartons, Papier, neue Gerüche, Dinge aus der Natur, Beobachtungsplätze am Fenster, ein hingelegter Kratzbaum, eine Sesselhöhle, etc. Wenn du regelmäßig etwas Neues anbietest, und Angebote rotierst, hat deine Katze immer wieder etwas Neues zum Erkunden.

Schritt 3: Nutze Routinen und Rituale als Anker. Zum Beispiel könntest du morgens nach dem Frühstück noch kurz mit deiner Katze spielen, bevor du ihr etwas zu fressen gibst. Nachdem du nach Hause kommst, könntest du noch eine kurze Spieleinheit einlegen, und am Abend vor dem Schlafengehen gibt es eine kurze Trainingssession, mit anschließendem Kuscheln. Wenn das jeden Tag gleich passiert, weiß deine Katze, dass sie einen fixen Platz in deinem Tagesablauf hat.

Schritt 4: Beende gemeinsame Aktivitäten mit einem Ritual. Lass das Spiel langsam ruhiger werden, lass deine Katze die Beute noch einmal fangen, gib danach eine kleine Portion Futter oder eine Futterbeschäftigung, sag „fertig“ und räum das Spielzeug dann erst weg. Deine Katze hat gejagt, gefangen, gefressen und darf jetzt ruhen. Damit wird das Ende vorhersehbar.

Schritt 5: Lass Kommunikation zu. Struktur heißt nicht, dass deine Katze nichts mehr äußern darf. Sicherheit und die Möglichkeit, Bedürfnisse zu zeigen, gehören zusammen. Mit Orientierung im Tag passiert das Nachfragen nur deutlich seltener.

Ruhe üben

Wenn sich deine Katze sehr oft meldet, und kaum zur Ruhe kommt, kann ein Ruheort und/oder ein Entspannungssignal helfen.

Der Ruheort

Ein Ruheort ist ein fester Platz, an dem deine Katze herunterfahren darf. Das kann eine Decke, ein Kissen, ein Körbchen, ein erhöhter Platz oder eine Höhle sein.

1. Wähle je Katze einen passenden Ort in deiner Nähe aus. Bei mir ist das in der Regel auf einer Decke oder einem Stuhl direkt neben mir.

2. Füttere den Platz positiv.

3. Führe deine Katze auf den Platz, wenn sie etwas will, und du es ihr nicht geben kannst.

4. Trainiere in die Ruhe hinein. Immer, wenn du merkst, deine Katze entspannt sich gerade ein wenig mehr, belohnst du sie dafür.

Bei Katzen, die Entspannung nicht von allein finden, ist das echtes Training in kleinen Schritten. Die Anleitung dazu findest du unter anderem im Miezclub VIP.

Das Entspannungssignal

Ein Entspannungssignal hat weniger mit einem bestimmten Ort zu tun, sondern mit etwas, das deine Katze zum Beispiel hört. Es lässt sich allerdings auch wunderbar mit dem Ruheort kombinieren.

1. Bau ein Entspannungssignal auf. Nutze dafür idealerweise entspannende Musik in Momenten, wo deine Katze ohnehin entspannt ist. Dafür gibt es auch extra Katzen-Entspannungsmusik auf diversen Musik-Plattformen.

2. Wiederhole das Signal immer wieder. Erst wenn das Signal mit dieser ruhigen Stimmung fest verknüpft ist, kannst du es in leicht aufgeregten Situationen einsetzen.

Beispiel: Meine Kundin hat ihren drei Katzen über eine gute Weile immer dasselbe Lied vorgesungen, wenn Ruhe war. Später nutzte sie es in Konflikt-Momenten, wenn die Katzen schlechte Tage hatten. Sobald sie angefangen hat zu singen, haben sich alle drei binnen weniger Sekunden hingelegt und entspannt.

Was du dabei vermeidest: Das Signal in dem Moment einzuführen, in dem deine Katze komplett überdreht ist. Dann verknüpft sie es mit Aufregung statt mit Ruhe.

Ruhiges Verhalten darf sich lohnen

Überprüfe einmal, wann deine Katze von dir Aufmerksamkeit bekommt.

Katzen bekommen in der Regel vorwiegend dann Aufmerksamkeit und tolle Dinge, wenn sie aktiv sind und Aufmerksamkeit fordern. Damit lohnt es sich natürlich sehr, selbst viel aktiv zu sein.

Dreh das gern einmal aktiv um. Geh zwischendurch zu deiner Katze, wenn sie gerade entspannt ist. Lobe sie für ihr ruhiges Verhalten. Leg ihr gerne ein Leckerli hin und streichle sie, falls sie das mag. Du darfst auch eine Einladung für ein Spiel oder eine Trainingseinheit aussprechen, wenn du gerade Zeit dafür hast.

Hinweis: Natürlich ist es wichtig, dass deine Katze ungestört schlafen darf. Es geht nicht darum, sie ständig aufzuwecken oder wach zu halten. Wenn sie allerdings gerade ruht, und gut ansprechbar ist, darfst du natürlich gerne etwas anbieten. 

Wann du an die Gesundheit denken solltest

Wenn deine Katze plötzlich mehr Aufmerksamkeit fordert oder nicht mehr zur Ruhe kommt, bedenke auch bitte die Gesundheit mit. Schmerzen und Erkrankungen können das Verhalten deiner Katzen schrittweise oder sehr plötzlich verändern.

Wie du Schmerzen erkennst, teile ich mit dir in meinem Kurs zur Katzensprache „Endlich Verstehen“.

Fazit: Katze fordert ständig Aufmerksamkeit

Deine Katze darf Wünsche äußern, und du musst trotzdem nicht jeden erfüllen. Wenn sie aber gefühlt durchgehend etwas von dir will, schau dir an, was dahintersteckt.

Sind ihre Bedürfnisse gedeckt? Kann sie die vorhandenen Angebote entspannt nutzen, oder steht die Zweitkatze im Weg? Weiß sie ungefähr, wann Futter, Spiel und gemeinsame Zeit kommen? Sind deine Antworten verlässlich? Hat sie einen sicheren Ruheort, und hat sie überhaupt gelernt, nach Aufregung wieder herunterzufahren? Ist gesundheitlich alles in Ordnung?

Das Ignorieren deiner Katze beantwortet keine dieser Fragen. 

Du wünschst dir Unterstützung bei eurer Situation? In meiner Katzensprechstunde sehen wir gemeinsam ganz genau hin, und entwickeln einen Plan, der zu euch passt.

Hey, ich bin Cindy,

deine Katzentrainerin mit Spezialisierung auf Disharmonie im Mehrkatzenhaushalt. Ich helfe dir, Streit, Angst und Stress zwischen Katzen zu lösen, indem du sie rundum glücklich und kompetent machst. Denn glückliche Katzen machen auch uns Menschen glücklich!

Deine Katzen streiten sich ständig?
Eine Katze zieht sich immer mehr zurück oder reagiert aggressiv?

In meinem Leitfaden um 0 € erfährst du, wie du es schaffst, dass sich deine Katzen besser verstehen.

Häufig gestellte Fragen

Ignoriere sie nicht pauschal, nein. Wer jede Kontaktaufnahme übergeht, bekommt in der Regel lautere Katzen, keine ruhigeren.

Das ist je Katze sehr individuell. Ich empfehle mehrere kurze Spieleinheiten über den Tag verteilt, mit Futter(beschäftigung) zum Abschluss. Zusätzlich machen ein bis drei Trainingseinheiten täglich Sinn, um deine Katzen mental auszulasten.

Wahrscheinlich liegt es daran, dass du zuverlässiger reagierst oder weil du die Person bist, die schöne Dinge auslöst.

Bei den meisten Katzen zeigen sich nach wenigen Wiederholungen schon erste Veränderungen. 

Bei einer plötzlichen Veränderung steht die tierärztliche Abklärung an erster Stelle. Danach schaust du auf Veränderungen im Umfeld, also neue Tiere, ein neuer Tagesrhythmus, Umbauten oder Spannungen zwischen deinen Katzen.

Hey, ich bin Cindy,

deine Katzentrainerin mit Spezialisierung auf Disharmonie im Mehrkatzenhaushalt. Ich helfe dir, Streit, Angst und Stress zwischen Katzen zu lösen, indem du sie rundum glücklich und kompetent machst. Denn glückliche Katzen machen auch uns Menschen glücklich!

Deine Katzen streiten sich ständig?
Eine Katze zieht sich immer mehr zurück oder reagiert aggressiv?

In meinem Leitfaden um 0 € erfährst du, wie du es schaffst, dass sich deine Katzen besser verstehen.

Schreibe einen Kommentar