Katzen streiten: Wird es von selbst besser?
Was Abwarten kostet
Deine Katzen streiten. Eine jagt die andere, versperrt ihr den Weg oder vertreibt sie von ihrem Liegeplatz. Du hoffst, dass es mit der Zeit von selbst besser wird. Dass sie sich irgendwann arrangieren und wieder Ruhe einkehrt.
Diese Hoffnung kenne ich gut. Ich hatte sie damals selbst. Und als es bei meinen Katzen irgendwann ruhiger wurde, dachte ich, wir wären auf einem guten Weg.
In diesem Beitrag erfährst du, was deine Katzen während des Abwartens lernen, warum weniger sichtbarer Streit täuschen kann und woran du erkennst, dass deine Katzen Unterstützung brauchen.
Du hörst lieber statt zu lesen?
Hier kannst du dir meine zugehörige Podcastfolge anhören:
Das Wichtigste in Kürze
Katzen dürfen sich auch mal uneinig sein und Abstand voneinander verlangen. Handlungsbedarf besteht, wenn eine Katze sich in ihrem Zuhause nicht mehr sicher fühlt, Wege oder Räume meidet und sich immer weniger zutraut. Wiederholte schlechte Erfahrungen festigen den Konflikt. Weniger sichtbarer Streit kann dabei bedeuten, dass eine Katze ihr Leben immer mehr einschränkt. Auch nach Monaten oder Jahren kann sich noch viel verändern. Je früher du deinen Katzen hilfst, desto weniger belastende Erfahrungen kommen dazu.
Wann wird Streit zwischen Katzen zum Problem?
Katzen dürfen auch mal fauchen. Sie dürfen sagen: „Geh weg.“ Sie dürfen sich uneinig sein und Abstand voneinander wollen. Sie müssen weder jede Sekunde harmonisch nebeneinanderliegen noch alles miteinander teilen.
Wenn eine Katze die andere anfaucht und danach beide wieder ganz normal ihrem Alltag nachgehen, ist das nicht automatisch ein großes Problem.
Entscheidend ist, wie deine Katzen insgesamt leben. Können beide durch die Wohnung gehen, spielen, fressen, schlafen und ihre Toiletten benutzen, ohne ständig darauf achten zu müssen, wo die andere gerade ist?
Genauer hinschauen solltest du, wenn eine Katze:
- regelmäßig vor der anderen wegläuft oder sich versteckt,
- viel beobachtet bzw. starrt, weil sie immer wissen muss, wo die andere ist und was sie macht,
- bestimmte Räume, Wege oder Liegeplätze meidet,
- sich kaum noch selbst zu spielen traut, sobald die andere dabei ist,
- mit dem Fressen oder dem Toilettengang wartet, bis die andere weg ist,
- sich nur noch in einem kleinen Teil der Wohnung aufhält.
Dann fühlt sich diese Katze in ihrem eigenen Zuhause nicht mehr sicher. Und genau dann wird Abwarten zum Problem.
Warum Katzenstreit durch Abwarten schwerer zu lösen wird
Stell dir einen Schneeball vor, der einen Hang hinunterrollt. Am Anfang ist er klein und lässt sich leicht stoppen. Je länger er rollt, desto größer und schwerer wird er. Irgendwann brauchst du richtig viel Kraft, um ihn aufzuhalten.
So ähnlich läuft es bei Katzenstreit.
Am Anfang steht oft eine einzelne schlechte Erfahrung. Eine Katze erschreckt sich vor der anderen. Sie wird gejagt, ihr wird der Weg versperrt oder sie wird angegriffen. Dann passiert es wieder. Und wieder.
Deine Katze lernt dabei:
- Wenn diese Katze auftaucht, wird es unangenehm.
- Wenn ich durch diesen Gang gehe, versperrt sie mir den Weg.
- Wenn ich spiele, werde ich angegriffen.
- Wenn ich auf dem Kratzbaum liege, komme ich nicht schnell genug weg.
Irgendwann reagiert sie nicht mehr nur auf einen tatsächlichen Angriff. Ein Blick, eine kleine Bewegung oder ein Geräusch reichen aus. Sie bereitet sich immer schneller auf den nächsten Konflikt vor.
Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es tatsächlich wieder zu einem kommt. Eine Katze wird angespannter und flüchtet früher. Die andere läuft hinterher. Eine beginnt, bestimmte Wege zu meiden. Die andere erlebt, dass sie durch ihr Verhalten den Raum für sich bekommt.
So entsteht eine Abwärtsspirale, während wir darauf hoffen, dass es von selbst besser wird.
Auch die jagende Katze lernt weiter
Die Katze, die starrt, Wege blockiert oder hinterherläuft, übt ihr Verhalten ebenfalls immer wieder.
Sie lernt: Wenn ich starre, geht die andere weg. Wenn ich ihr den Weg versperre, bekomme ich den Raum für mich. Wenn ich hinterherlaufe, verschwindet sie.
Wenn dieses Verhalten regelmäßig funktioniert, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie es wieder zeigt.
Das bedeutet übrigens nicht, dass diese Katze böse ist oder die andere absichtlich terrorisieren möchte. An der Stelle möchte ich klarstellen, dass Katzen sich aus ihrer Sicht immer richtig verhalten. Sie tun nichts zum Schaden von jemandem anderem. Ganz im Gegenteil: Viele Katzen zeigen so ein Verhalten aus Unsicherheit oder Unterforderung. Genau deshalb müssen wir ihr helfen, andere Strategien zu entwickeln.
Während eine Katze immer vorsichtiger wird, wird die andere immer schneller darin, sie einzuschränken. Beide sammeln weiter Erfahrungen miteinander. Und die problematischen Abläufe festigen sich.
Es ist ruhiger geworden. Heißt das, es wird besser?
Das Schwierige daran ist, dass „ruhiger werden“ von außen oft wie eine Verbesserung aussieht. Es gibt weniger sichtbare Angriffe, weniger Fauchen und weniger Geschrei. Du denkst: „Super, sie haben es geklärt.“
Schau in diesem Moment genauer hin. Was hat sich im Alltag deiner Katzen verändert?
Eine Katze schläft jetzt den ganzen Tag in einem Zimmer, weil sie sich dort halbwegs sicher fühlt. Sie spielt nicht mehr, wenn die andere dabei ist. Sie wartet mit dem Toilettengang, bis du mit im Bad bist. Sie frisst schneller oder nur dann, wenn die andere schläft. Sie kommt kaum noch ins Wohnzimmer und liegt fast nur noch oben auf dem Schrank.
Nur weil es ruhig ist, heißt das nicht, dass es allen Katzen gut geht. Manchmal ist es ruhig, weil das Leben einer Katze immer kleiner geworden ist.
Deshalb reicht es nicht, nur auf das Fauchen und Jagen zu schauen. Achte auch darauf, wie frei sich jede Katze bewegt und was sie sich im Alltag noch zutraut.
Was mich das Abwarten bei Luna und Yui gekostet hat
Als ich meine Katzen damals zusammengebracht habe, dachte ich, sie müssten sich kennenlernen und würden das untereinander ausmachen. Ich habe lange darauf gehofft, dass es von selbst besser wird, ohne dass ich viel tun muss.
Irgendwann wurde es ruhiger. Meine Katzen hatten aber keine Sicherheit miteinander und kein Vertrauen zueinander aufgebaut.
Aufgefallen ist mir das erst richtig, als Yui unsauber wurde. Zu diesem Zeitpunkt war der Konflikt längst nicht mehr neu. Die schlechten Erfahrungen hatten sich gefestigt. Luna hatte gelernt, Yui einzuschränken. Yui hatte gelernt, immer vorsichtiger zu sein.
Ich hatte mir damals kaum die Frage gestellt, wie ich meinen Katzen helfen kann. Was brauchen sie, damit sie sich sicher fühlen? Wie kann ich dafür sorgen, dass sie gute oder wenigstens neutrale Erfahrungen miteinander machen?
Ich dachte, sie müssten das selbst lösen.
Dabei hatte ich sie in dieses Zuhause geholt. Sie hatten sich nicht füreinander entschieden und konnten sich keine andere Wohnung suchen. Deshalb lag es in meiner Verantwortung, die Bedingungen so zu gestalten, dass sich beide wohlfühlen.
Heute leben Luna und Yui entspannt zusammen. Der Weg dahin hat uns allerdings mehrere Jahre beschäftigt. Das wäre auch deutlich schneller gegangen, wenn sich die Konflikte nicht erst gefestigt hätten und ich von Anfang an gewusst hätte, wie es richtig geht.
Was Abwarten deine Katzen und dich kostet
Warten kostet Sicherheit, Vertrauen und Bewegungsfreiheit. Es kostet Spiel, Entspannung und Lebensqualität.
Wenn eine Katze sich kaum noch zu spielen traut, bestimmte Räume meidet oder ständig darauf achten muss, wo die andere ist, betrifft das ihren ganzen Alltag.
Und am Ende kostet es oft auch deutlich mehr Zeit, Energie und Geld. Denn wir begleiten dann eine lange Geschichte aus schlechten Erfahrungen, die wir Schritt für Schritt wieder verändern müssen.
Auch wenn deine Katzen seit Monaten oder Jahren streiten, kann sich noch viel verändern. Der Weg ist oft länger, wenn sie schon immer wieder erlebt haben, dass die andere Katze Stress oder Kontrollverlust bedeutet.
Warte deshalb nicht, bis eine Katze unsauber wird, sich ständig versteckt, kaum noch frisst oder der Konflikt vollständig eskaliert. Du darfst schon viel früher reagieren.
Ein erster Schritt: Schau auf den Alltag jeder einzelnen Katze
Nimm dir heute eine Situation vor, zum Beispiel den Weg zur Toilette oder wenn deine Katze selbständig mit einem Spielzeug spielt. Beobachte dabei drei Dinge:
- Was möchte die Katze gerade tun?
- Was verändert sich, sobald die andere Katze auftaucht? Hält sie inne, schaut sie ständig hinüber, geht sie weg oder bricht sie ihr Vorhaben ab?
- Kann sie danach ungestört weitermachen? Oder verzichtet sie auf das, was sie eigentlich tun wollte?
Beobachte normale Alltagssituationen, ohne deine Katzen dafür zusammenzubringen. Notiere dir, was jede Katze tut und wie die andere darauf reagiert.
Wenn eine Katze regelmäßig ausweicht oder auf etwas verzichtet, braucht sie Unterstützung. Dann solltest du dafür sorgen, dass weitere schlechte Erfahrungen verhindert werden, und dir die Ursachen des Streits genauer ansehen. Im Beitrag „Wenn Katzen streiten“ findest du dazu die wichtigsten nächsten Schritte.
Sichere Wege, ausreichend Ressourcen und passende Beschäftigung sind auch schon wichtig, bevor deine Katzen streiten. Wenn du weißt, was sie brauchen und woran du Anspannung erkennst, kannst du ihnen frühzeitig helfen.
Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wann und warum es im Mehrkatzenhaushalt zu Problemen kommt und wie du deinen Katzen hilfst, komm gerne in mein 0 €-Webinar „Harmonie im Mehrkatzenhaushalt“.
Hey, ich bin Cindy Maslowski!
Ich bin ausgebildete Katzenverhaltensberaterin und Katzentrainerin, spezialisiert auf Mehrkatzenhaushalte. Ich zeige dir, wie du deine Katzen besser verstehst und ihnen zu einem entspannten Zusammenleben verhilfst.
2000+ Katzen in Kursen, Trainings und Beratungen
2.000+
Katzen in Kursen, Trainings und Beratungen
5 Jahre+ ausgebildete Katzenverhaltensberaterin
5 Jahre+
professionelle Katzenverhaltensberaterin
1.000+ KatzenhalterInnen in meinen Kursen und Beratungen
1.000+
KatzenhalterInnen in meinen Kursen und Beratungen
Deine Katzen streiten sich ständig?
Eine Katze zieht sich immer mehr zurück oder reagiert aggressiv?
In meinem Leitfaden um 0 € erfährst du, wie du es schaffst, dass sich deine Katzen besser verstehen.
Beliebte Beiträge
- Disharmonie im Mehrkatzenhaushalt: Wenn Katzen streiten
- 5 Wege, wie du die Bindung zu deiner Katze stärkst
- Warum Clickertraining für Katzen so sinnvoll ist
- Ist Deine Katze eifersüchtig? Die 5 besten Tipps
- Deine Katze ist unsauber? Wie Du das Problem löst
- Ängstliche Katze: 5 einfache Maßnahmen für mehr Selbstbewusstsein
Häufig gestellte Fragen
Ein einzelnes Fauchen oder eine kurze Meinungsverschiedenheit sind noch kein großes Problem. Wenn deine Katzen danach wieder ungestört ihrem Alltag nachgehen und die Konflikte nicht häufiger werden, ist es meistens in Ordnung. Wird eine Katze regelmäßig gejagt, blockiert oder vertrieben, solltest du reagieren. Wiederholte schlechte Erfahrungen festigen den Konflikt.
Schau darauf, wie deine Katzen leben. Sobald du merkst, dass es schlechter wird oder eine Katze regelmäßig ausweicht, Räume meidet oder sich nicht mehr ungestört zu fressen, zu spielen oder auf die Toilette zu gehen traut, braucht sie Unterstützung. Du musst nicht warten, bis es vollständig eskaliert.
Nein. Katzen dürfen Grenzen setzen und Abstand verlangen. Wenn die andere Katze darauf reagiert und danach beide ungestört ihrem Alltag nachgehen, ist ein einzelnes Fauchen noch kein Problem. Entscheidend ist, ob sich beide in ihrem Zuhause sicher fühlen und frei bewegen können.
Schau darauf, was sich sonst verändert hat. Können beide wieder ungestört spielen, fressen und durch die Wohnung gehen, sind das gute Zeichen. Zieht sich eine Katze immer mehr zurück und traut sich immer weniger, kann der Konflikt trotz weniger sichtbarem Streit weiterbestehen.
Nein. Auch nach Monaten oder Jahren kann sich noch viel verändern. Der Weg ist oft länger, wenn sich schlechte Erfahrungen über lange Zeit gefestigt haben. Deine Katzen brauchen Unterstützung, damit sie sich wieder sicher fühlen und andere Erfahrungen miteinander machen können.
Hey, ich bin Cindy Maslowski!
Ich bin ausgebildete Katzenverhaltensberaterin und Katzentrainerin, spezialisiert auf Mehrkatzenhaushalte. Ich zeige dir, wie du deine Katzen besser verstehst und ihnen zu einem entspannten Zusammenleben verhilfst.
2000+ Katzen in Kursen, Trainings und Beratungen
2.000+
Katzen in Kursen, Trainings und Beratungen
5 Jahre+ ausgebildete Katzenverhaltensberaterin
5 Jahre+
professionelle Katzenverhaltensberaterin
1.000+ KatzenhalterInnen in meinen Kursen und Beratungen
1.000+
KatzenhalterInnen in meinen Kursen und Beratungen
Deine Katzen streiten sich ständig?
Eine Katze zieht sich immer mehr zurück oder reagiert aggressiv?
In meinem Leitfaden um 0 € erfährst du, wie du es schaffst, dass sich deine Katzen besser verstehen.
Beliebte Beiträge
- Disharmonie im Mehrkatzenhaushalt: Wenn Katzen streiten
- 5 Wege, wie du die Bindung zu deiner Katze stärkst
- Warum Clickertraining für Katzen so sinnvoll ist
- Ist Deine Katze eifersüchtig? Die 5 besten Tipps
- Deine Katze ist unsauber? Wie Du das Problem löst
- Ängstliche Katze: 5 einfache Maßnahmen für mehr Selbstbewusstsein