Katze greift Zweitkatze an: 4 Wege, wie sie eine Alternative lernt

Katze greift Zweitkatze an

4 Wege, wie sie eine Alternative lernt

Du kennst diesen Moment. Eine Katze lauert der Zweitkatze auf, oder beginnt sie zu fixieren. Du weißt genau, gleich wird es wieder zu einem Angriff kommen. Also machst du dich bereit dazwischenzugehen und deinen Katzen zu helfen.

Dieses ständige Aufpassen kostet dich jeden Tag Kraft, und irgendwann stehst du an dem Punkt, an dem du kurz davor bist aufzugeben, weil nichts von dem, was du versuchst, dauerhaft hält.

In diesem Beitrag erfährst du, welche vier Verhaltensweisen du deinen Katzen beibringen kannst, damit Angriffe seltener passieren, und warum sie wirken.

Du hörst lieber statt zu lesen?

Hier kannst du dir meine zugehörige Podcastfolge anhören:

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Das Wichtigste in Kürze

Wenn deine Katze die Zweitkatze angreift, gibt es in der Regel Vorboten. Sie fixiert sie, sie starrt, sie lauert, und die Anspannung steigt.

Genau in dem Moment entscheidet sich der Angriff. Wenn du also erst eingreifst, wenn deine Katze losgerannt ist, ist es zu spät. Die aus menschlicher Sicht schlechte Entscheidung wurde getroffen. 

Ein Grund, warum so eine Entscheidung überhaupt getroffen wird, ist, dass die Katze nie gelernt hat, dass es auch anders geht. Vier mögliche Wege das zu ändern, sind die Übungen: Schau zu mir, Klick für Blick, Pattern Games oder ein bekannter Tricks als Anker. 

Deine Katze lernt also, was sie noch tun kann, und welche Verhaltensweisen sich mehr lohnen.

Die Verhaltensweisen und Übungen in diesem Beitrag sind häufig ein Teil der Lösung von Disharmonie. Zusätzlich braucht es einen Blick auf die Ursachen, warum es überhaupt zu solchen angespannten Situationen kommt. Das teile ich mit dir in meinem umfassenden Katzenstreit-Beitrag.

Warum es zu spät ist, wenn eine Katze lossprintet

Bevor eine Katze die andere jagt oder bedrängt, passiert fast immer dasselbe. Die Katze fixiert die andere, sie starrt, sie lauert, sie wägt ab, und die Spannung steigt. Der Sprint ist nicht der Anfang, er ist das Ende einer Kette, die viel früher beginnt.

Ich habe das über Monate bei meinen eigenen Katzen erlebt. Luna hat Yui nur angeschaut, Yui hat regelrecht losgeschrien, und dann ist Luna auf sie zugesprintet.

Wenn die Katze einmal losgesprintet ist, ist der Moment gelaufen. Jedes Mal, wenn es so weit kommt, übt deine Katze genau dieses Verhalten, und es festigt sich Schritt für Schritt. Und die „angegriffene Katze“ sammelt mit jedem Vorfall eine schlechte Erfahrung mehr, das Misstrauen wächst, und die nächste Begegnung startet schon angespannter.

Deshalb geht es nicht darum, den Katzen während oder nach einem Streit Feedback zu geben. Du darfst eingreifen, bevor es überhaupt soweit kommt

Du bist dir nicht sicher, ob es Spiel oder Streit ist? Dann hol dir meine Checkliste um 0 €, in der du genau das herausfindest.

Die eine Frage, die deine Katze noch nie gestellt bekommen hat

Es kommt häufig dann zu Angriffen, wenn Katzen gerade keine bessere Alternative haben. Und genau hier kannst du ansetzen.

Du kannst ihr neue Optionen beibringen und sie ihr im entscheidenden Moment vorschlagen. Mit der Zeit können so neue Verhaltensketten entstehen: Deine Katze hat den Impuls, auf die zweite Katze zu springen, und statt des Sprungs kommt ein Signal, das sich am Ende für sie mehr lohnt.

Wenn dieses Signal irgendwann nicht mehr von dir kommt, nimmt deine Katze die Alternative selbst vorweg. Dann bleibt noch, sie regelmäßig dafür zu bestärken, dass sie sich erwünscht verhalten hat.

Der Angriff bleibt aus, weil der Moment eine neue Richtung bekommen hat. Die folgenden vier Wege bauen genau das auf.

Die vier Alternativen

Alle vier Wege folgen demselben Prinzip. Du reagierst vor dem Angriff, nicht danach, und du gibst deiner Katze eine Handlung, die sie schon kann oder die du in Ruhe aufgebaut hast.

Weg 1: Schau zu mir

Deine Katze lernt, auf ein Signal von dir kurz den Blick von der anderen Katze zu lösen und sich an dir zu orientieren

Was in dieser Sekunde passiert: Deine Katze kommt kurz aus der Situation heraus. Sie bekommt die Möglichkeit, neu zu entscheiden, ob sie die zweite Katze wirklich anspringen will. Da Katzen sehr viel mit Blickkontakt arbeiten, kann eine kurze Unterbrechung schon helfen.

Entweder sie entscheidet sich selbst dagegen, oder du kannst ihr einen Vorschlag machen, etwa komm zu mir.

Wichtig ist, dass du dieses Signal vorher in Ruhe aufbaust, Schritt für Schritt, in Situationen ohne Druck. Wenn es sitzt, hast du ein Werkzeug für Konfliktsituationen.

Weg 2: Klick für Blick

Dieser Weg überrascht die meisten, weil er sich zuerst falsch anfühlt. Bei Klick für Blick wird deine Katze im ersten Schritt belohnt, wenn sie die andere Katze anschaut.

Das wirkt oft nicht ganz sinnvoll, weil wir ja dadurch das Hinschauen verstärken, statt es zu verhindern. Der Punkt ist allerdings, dass wir wo anfangen müssen. 

Ziel der Übung ist am Ende das Abwenden von der Zweitkatze. Dafür wandert der Klickpunkt – wann deine Katze also das Feedback bekommt „Das war richtig“ – immer weiter nach hinten. Zuerst sieht sie die Zweitkatze direkt an. Dann schaut sie einen Millimeter von ihr weg, dann zwei, dann drei, etc.

In der Theorie ist diese Übung sehr einfach. In der Praxis ist sie vergleichsweise herausfordernd. Bleibst du zu lange beim Blickkontakt belohnen, kann es nämlich leider in die falsche Richtung gehen.

Das heißt, die Übung braucht einen guten Aufbau, ein gutes Timing und einen sehr guten Plan. Deshalb rate ich Clicker-Einsteigern davon ab, sie ohne Begleitung für die eigenen Katzen zu nutzen.

Weg 3: Pattern Games

Pattern Games sind „Spiele“ mit einem festen, immer gleichen Ablauf. Sie sind vorhersehbar und schenken gerade in schwierigen Situationen sehr viel Sicherheit. Zudem können sie, richtig angewendet, zum Lösen von Ängsten & Co. genutzt werden.

Bei Pattern Games bringst du deiner Katze ein Muster bei, das sich immer wieder wiederholt. Wenn du sie zum „Spielen“ einlädst, kann deine Katze auf dieses Muster zurückgreifen, das ihr in Momenten der Anspannung hilft.

Weg 4: Ein Trick als Alternative

Der vierte Weg ist ein „normaler Trick“. Ein Nasentarget, ein Rückruf, ein Bodentarget, ein Parkplatz, die Möglichkeiten sind sehr vielfältig.

Du lädst deine Katze ein, etwas Bestimmtes zu zeigen, das sie schon kann. Sie tut etwas Vertrautes, statt anzugreifen. 

Wichtig dabei ist, dass es immer dieselbe Verhaltensweise ist. Wir wollen am Ende das sich das Ganze „verselbständigt“. Du also nicht jedes Mal aufs Neue einladen musst, weil deine Katze schon weiß, was sie tun kann.

Das Schöne ist, dass du idealerweise gar nichts Neues üben musst, weil deine Katze schon etwas kann. Seid ihr noch nicht so weit im Training, empfehle ich eine Übung, die erstmal in Ruhe aufgebaut wird, die den Angriff unmöglich macht.

Zum Beispiel: Deine Katze geht auf einen bestimmten Platz, wie einen Stuhl, also kann sie nicht auf die Zweitkatze, die woanders ist, draufspringen. 

Warum solche Alternativverhalten nur ein Teil der Lösung sind

Diese vier Wege wirken an einem konkreten Problem: Deine Katze hat nie gelernt, dass sie in angespannten Momenten auch etwas anderes tun kann. Sie kann die Situation ohne Kampf verlassen.

Als Sofortmaßnahme kann der Aufbau solcher Alternativen bei jeder Ursache sinnvoll sein. Denn das Wichtigste ist in dem Moment, dass die Katzen nicht immer wieder aufs Neue ungünstige Erfahrungen machen.

Trotz allem ist ein Alternativverhalten nur ein Teil der Lösung. Die Frage ist nämlich, warum es überhaupt zu Angriffen und angespannten Situationen kommt. Das kann an der Gesundheit liegen, an unerfüllten Bedürfnissen oder auch an anderen Fähigkeiten, die deine Katzen noch lernen dürfen. Ganz oft ist es auch ein Zusammenspiel dieser drei Themen.

Mehr zu den drei Ursachen von Disharmonie, und wie du sie nachhaltig löst, erzähle ich dir in meinem 0 € Harmonie-Webinar.

Wenn diese Ursachen bleiben, kommt der Impuls immer wieder, egal wie gut das Alternativverhalten sitzt. Deshalb arbeite ich in meinem Glückliche-Katzen-Konzept an all diesem Themen parallel. Die vier Wege geben deiner Katze eine Handlung für den akuten Moment, und daneben nehmen wir die Umgebung, die Gesundheit und die Kompetenzen deiner Katzen unter die Lupe. 

Der Fehler, der den Angriff belohnt

Vielleicht ist dir bei allen vier Wegen etwas aufgefallen. Keiner bestraft deine Katze, keiner scheucht sie weg, und bei keinem geht es darum, deine Katzen dauerhaft voneinander fernzuhalten. Bei allen vieren baust du eine Fähigkeit auf, bevor es eskaliert. Dabei wollen wir bewusst eine neue, erwünschte Verhaltenskette aufbauen.

Leider ist es so, dass es oft schon unerwünschte und nicht bewusst aufgebaute Verhaltensketten gibt. Zum Beispiel, wenn eine Katze die Zweitkatze angreift und der Mensch dann direkt die Angel rausholt und mit ihr spielt. In solchen Fällen kann es zu einer neuen Art von Kommunikation werden. Der Angriff wird ggf. verstärkt, weil Katze lernt: „Wenn ich die Zweitkatze angreife, dann spielt mein Mensch mit mir.“

Das kann ein echtes Problem werden. Mehr zu Fehlern bei Katzenstreit findest du in diesem Beitrag.

Wie du jetzt anfängst

  1. Beobachte deine Katzen. Welche Anzeichen erkennst du, bevor es losgeht?
  2. Wähle einen Weg und übe ihn außerhalb von Konfliktsituationen, sodass deine Katze zuverlässig versteht, was das Signal bedeutet.
  3. Bring das Signal erst dann in die angespannte Situation, wenn es in anderen Situationen zuverlässig klappt.

Dein nächster Schritt

Diese neuen Muster sind ein Baustein auf dem Weg zu einem friedlichen Zuhause, in dem sich deine Katzen frei bewegen Du bist dabei nicht die Zuschauerin, du begleitest deine Katzen so lange, bis sie es selbst können. 

Bis dahin kannst du deinen Katzen mit anderen Erste Hilfe-Maßnahmen unterstützen. Die teile ich mit dir in meinem Erste Hilfe-Protokoll bei Katzenstreit

Wenn du deine Situation gerne mit mir persönlich durchgehen willst, dann bist du in meiner Katzensprechstunde (einmalig) oder meinem Katzen-Mentoring (längerfristige Begleitung) herzlich Willkommen. 

Hey, ich bin Cindy,

deine Katzentrainerin mit Spezialisierung auf Disharmonie im Mehrkatzenhaushalt. Ich helfe dir, Streit, Angst und Stress zwischen Katzen zu lösen, indem du sie rundum glücklich und kompetent machst. Denn glückliche Katzen machen auch uns Menschen glücklich!

Deine Katzen streiten sich ständig?
Eine Katze zieht sich immer mehr zurück oder reagiert aggressiv?

In meinem Leitfaden um 0 € erfährst du, wie du es schaffst, dass sich deine Katzen besser verstehen.

Häufig gestellte Fragen

Wenn deine Katzen nicht nur spielen, sondern mindestens eine Katze die Angriffe ungut findet, ist es wichtig einzugreifen. Das machst du, bevor es zum tatsächlichen Angriff kommt. Sobald deine Katze die andere fixiert, sie belauert oder anstarrt, ist der richtige Moment für eine Alternative da.

Am Anfang ja. Langfristig in der Regel nicht, weil du eine neue Verhaltenskette aufbaust, und parallel die Ursachen für die Probleme löst. Deine Katze verknüpft den Impuls mit einer Alternative und nimmt diese mit der Zeit selbst vorweg, auch ohne dein Signal.

Strafe drückt das Verhalten im Moment weg, ohne die Anspannung darunter zu lösen, und sie belastet die Beziehung zwischen dir und deiner Katze und zwischen den Katzen. Deine Katze lernt daraus keine Alternative, sie lernt nur, dass die Situation gefährlich wird. Nachhaltige Veränderung entsteht über Kompetenz, nicht über Druck.

Hey, ich bin Cindy,

deine Katzentrainerin mit Spezialisierung auf Disharmonie im Mehrkatzenhaushalt. Ich helfe dir, Streit, Angst und Stress zwischen Katzen zu lösen, indem du sie rundum glücklich und kompetent machst. Denn glückliche Katzen machen auch uns Menschen glücklich!

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