Katzen artgerecht beschäftigen
Mit einfachen Mitteln zu einer ausgelasteten Katze
Unsere Stubentiger sind so sanft und süß. Da vergessen wir gerne mal, dass sie in Wirklichkeit Raubtiere sind und zum Glücklichsein jagen wollen und müssen. Deswegen erfährst du in diesem Beitrag, wie dudeine Katze mit einfachen Mitteln beschäftigen kannst.
Wozu Katzen artgerecht beschäftigen?
Es gibt einige gute Gründe, deiner Katze passende Beschäftigung anzubieten:
- Passende Beschäftigung erfüllt wichtige Bedürfnisse: Fehlen Möglichkeiten zum Beobachten, Erkunden, Spielen und Jagen, verursacht das Stress und Frust. Das kann sich auch in Verhaltensauffälligkeiten wie nächtlichem Schreien oder Kratzen an Möbeln, Händen und Füßen zeigen.
- Angepasste Beschäftigung baut Stress ab
- Spiel hält fit und beweglich: Wie viel und welche Bewegung passend ist, hängt von Alter, Gesundheit und Vorlieben deiner Katze ab.
- Interaktives Spielen kann die Bindung zu dir stärken
- Erfolgserlebnisse stärken das Selbstvertrauen: Wenn deine Katze beim Spielen bzw. allgemein bei der Beschäftigung etwas bewirken und erfolgreich ist, erlebt sie Selbstwirksamkeit.
Ist artgerechtes Beschäftigen zu Hause überhaupt möglich?
Um diese Frage zu beantworten, schauen wir uns einmal die Beschäftigung in der Natur an:
- Eine Katze beobachtet gerne – sehr gerne auch aus der Höhe. Bäume sind super zum Klettern.
- Katzen streifen herum, um ihre Beute zu finden. Dabei schnuppern sie gerne an interessanten Gerüchen.
- Hört oder sieht die Katze eine Beute, ist höchste Konzentration angesagt. Binnen Sekunden muss sie entscheiden, ob sie gleich zum Angriff geht oder der Beute auflauert.
- Zeigt sich die Beute, geht es ans Jagen, Fangen, Töten.
- Am Schluss wird gefressen.
Diese Phasen können wir zu Hause auf unterschiedliche Weise abbilden. Dabei muss nicht jede Beschäftigung immer die gesamte Jagdsequenz beinhalten. Entscheidend ist, dass deine Katze ihre verschiedene Bedürfnisse ausleben darf.
1. Beobachtungen anstellen
Damit deine Katze alles gut im Blick hat, solltest du ihr möglichst eine dritte Ebene bieten, also in die Höhe „bauen“. Das können Schränke sein, auf die sie hochspringen kann, Kratzbäume oder sogar ein Catwalk. Sei hier gern kreativ!
Auch Fensterbretter sind super zum Beobachten der weiten Welt, und des ein oder anderen Vogels.
2. Herumstreifen der Katze
Katzen können draußen große Gebiete erkunden. Das können wir ihnen zu Hause in den meisten Fällen nicht bieten. Was wir aber sehr wohl machen können, ist, die Wohnung anregend zu gestalten. Das mag kompliziert klingen, ist es aber zum Glück nicht.
Über Kratzbäume und die dritte Ebene haben wir schon gesprochen. Wie wäre es, wenn du zusätzlich ab und zu „unabsichtlich“ etwas Interessantes fallen und liegen lässt, wie Kartons, Decken, getragene Kleidung, oder andere sichere Gegenstände zum Erkunden? Katzentunnel, Kratztonnen, Höhlen und Bettchen runden das Ganze ab.
Tipp: Gestalte die Angebote abwechslungsreich, ohne deiner Katze ihre vertrauten und wichtigen Ressourcen wegzunehmen. Im Wohnzimmer gibt es zum Beispiel einmal für drei Tage einen zusätzlichen Karton. Später taucht er vielleicht an einem anderen Ort wieder auf. Wird etwas häufig genutzt, sollte es nicht einfach verschwinden, nur damit es später wieder „spannend“ wird.
Mehr dazu findest du auch unter anderem in meinem Blogbeitrag zu „Katze alleine lassen“.
3. Die eigentliche Jagd
Zur Simulation der Jagd haben wir verschiedene tolle Möglichkeiten:
Katze spielt mit Artgenossen
Manche befreundete Katzen spielen gerne miteinander. Bei einem ausgeglichenen Spiel wechseln sich die Rollen ab, es gibt Pausen und beide Katzen kommen immer wieder freiwillig zurück.
Wird dagegen immer dieselbe Katze gejagt, flüchtet sie, versteckt sie sich oder versucht erfolglos, das Spiel zu beenden, ist das kein ausgeglichenes Spiel. Dann braucht sie Unterstützung und Abstand.
Soziales Spiel ist allerdings kein Muss und eine zweite Katze ist kein Beschäftigungsprogramm. Ob eine Katze mit Artgenossen leben möchte und welcher Partner zu ihr passt, ist individuell.
Bist du dir unsicher, ob deine Katzen spielen oder streiten, findest du hier meine Checkliste „Spiel oder Streit?“ dazu.
Katze spielt alleine
Wir Katzeneltern können leider nicht rund um die Uhr für unsere Katzen da sein. Dafür gibt es Abhilfe!
- Mäuschen, Bällchen und Korken: Deine Katze kann sich gut allein beschäftigen und stupst gerne Stoffmäuschen, Bällchen oder Korken an? Dann solltest du sie ab und zu einfach einmal wo liegen lassen oder besser noch sie leicht verstecken, hinter dem Sofa, unter einer Decke oder bei einem Tischbein. Natürlich muss deine Katze das Spielzeug erstmal finden, daher sollte es ruhig etwas rausschauen oder du zeigst es ihr, dass es darunter oder dahinter ist.
Tipp: Immer dasselbe Spielzeug ist langweilig. Wenn sich Deine Katze ausgespielt hat, verstaue es und hole es nach ein paar Wochen wieder raus. In dieser Zeit bekommt sie einfach etwas anderes zum Spielen.
- Futterbeschäftigung: In der Natur muss sich eine Katze ihr Futter hart erarbeiten, und das macht auch noch Spaß, weil sie dabei ganz viele Erfolgserlebnisse hat. Das kannst du ihr auch zu Hause anbieten. Mehr dazu findest du in meinem Blogbeitrag zur Futterbeschäftigung.
- Katzenminze- oder Baldriankissen: Manche Katzen reagieren sehr stark auf Katzenminze oder Baldrian. Oft wird damit gekuschelt, das Kissen wird abgeschleckt, gebissen oder mit den Hinterpfoten getreten. Beim ersten Mal solltest du beobachten, wie deine Katze reagiert, da es in seltenen Fällen zu „Aggression“ gegenüber anderen Katzen im Mehrkatzenhaushalt kommen kann.
Gemeinsames Spielen
Auch zur gemeinsamen Beschäftigung gibt es mehrere tolle Möglichkeiten.
- Um die eigentliche Jagd zu simulieren, eignen sich Spielangeln bestens. Versuche mit der Angel eine Beute zu imitieren. Eine Maus wird eher weniger auf die Katze zulaufen, sondern sich eher wo verstecken oder weglaufen. Ein Vogel wird nicht auf der Nase deiner Katze rumtanzen, sondern schöne Bögen fliegen und sich auch mal wo hinsetzen, zum Beispiel erhöht auf einem Ast oder in unserem Fall einem Sofa.
- Das Ende der Jagd kann mitunter durch das Werfen von Leckerlis oder Trockenfutterstücken simuliert werden. Deine Katze darf das geworfene Futter suchen, verfolgen, fangen und am Ende fressen.
- Für die mentale Beschäftigung eignet sich Clickertraining sehr gut. In kurzen Einheiten von zwei bis drei Minuten bringst du ihr verschiedene Tricks wie High Five oder Männchen, oder auch Life Skills wie das freiwillige Nehmen von Medikamenten oder das freiwillige Hineingehen in die Transportbox bei.
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Wie viel sollte eine Hauskatze spielen?
Es gibt keine feste Minuten- oder Stundenanzahl, die für jede Katze passt. Manche Katzen lieben mehrere kurze Jagdspiele am Tag, andere mögen Denkaufgaben, Futtersuche oder ruhiges Erkunden lieber. Auch Alter, Gesundheit, Persönlichkeit und Tagesform spielen eine Rolle.
Beobachte deshalb nicht nur die Uhr, sondern vor allem deine Katze: Nimmt sie freiwillig teil? Bleibt sie interessiert? Kann sie Erfolge haben? Macht sie Pausen oder geht sie weg?
Mehr Beschäftigung ist nicht automatisch besser. Entscheidend ist, ob sie zum Bedürfnis deiner Katze passt.
Hinweis: Wenn eine Katze ein Angelspiel oder Clickertraining nicht annimmt, heißt das nicht, dass sie kein Bedarf dafür hat. Dass eine Katze nicht spielt, liegt an gesundheitlichen Problemen, unpassenden Rahmenbedingungen, einer „falschen“ Angel oder einem nicht passenden Spielstil. Beim Clickertraining ist es ähnlich.
Fazit: Katzen artgerecht beschäftigen
Wie du siehst, gibt es viele Möglichkeiten, den Alltag deiner Katzen spannender zu gestalten. Gehe die Ideen am besten nacheinander durch und teste, wie gut sie bei deinen Katzen ankommen. Denn: Jede Katze ist anders und hat andere Vorlieben! Es ist wichtig, dass du hier für jede deiner Katzen eine individuelle Lösung findest.
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