Katzenterror: Warum schreit meine Katze nachts?

Warum schreit meine Katze nachts?

8 mögliche Gründe und wie du das Problem löst

Deine Katze schreit oder miaut nachts und du kannst deswegen kaum noch schlafen? Das ist auf Dauer enorm belastend. Gleichzeitig macht deine Katze das nicht, um dich zu ärgern oder zu terrorisieren. Verhalten hat immer einen guten Grund. Findest du ihn, kannst du das Verhalten verändern und damit das Problem lösen.

Hier findest du acht mögliche Gründe für nächtliches Schreien und erfährst, wie du herausfindest, was deine Katze wirklich braucht, damit ihr beide wieder ruhigere Nächte habt.

Warum Katzen schreien

Wenn deine Katze miaut oder schreit, kommuniziert sie. Sie möchte etwas erreichen, braucht Unterstützung oder reagiert auf etwas, das in diesem Moment passiert.

Dass sie schreit allein, sagt uns allerdings noch nicht, was dahintersteckt. Dafür müssen wir auf den Zeitpunkt, die Situation, die Körpersprache und weitere Veränderungen achten.

Aber auch deine Bedürfnisse zählen. Anhaltender Schlafmangel macht müde, gereizt und irgendwann handlungsunfähig. Es ist weder für dich noch für deine Katze gut, wenn die Situation einfach immer weiterläuft. Das Ziel ist trotzdem nicht, deine Katze möglichst schnell zum Schweigen zu bringen. Das Ziel ist, die Ursache zu finden und eine Lösung zu schaffen, die für euch beide funktioniert.

Mögliche Gründe

Die Gründe für nächtliches Schreien sind sehr vielfältig. Daher ist erstmal etwas Detektivarbeit angesagt. Beobachte, wann deine Katze ruft, wo sie sich dabei befindet, was unmittelbar davor passiert und wodurch das Verhalten endet. Eine Kamera kann dir helfen zu sehen, was deine Katze macht, bevor du davon wach wirst.

Grund #1: Geschlechtsreife​

Ist deine Katze nicht kastriert, können Hormone eine Rolle spielen. Weibliche Katzen können während der Rolligkeit sehr laut rufen. Unkastrierte Kater reagieren mitunter auf den Geruch einer rolligen Katze oder auf andere Katzen in ihrem Umfeld.

Besprich in diesem Fall mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt, ob die Geschlechtsreife hinter dem Verhalten stecken könnte und welches Vorgehen für deine Katze sinnvoll ist.

Grund #2: Krankheit

Hat deine Katze ohne erkennbaren Grund erst vor kurzem angefangen, nachts zu schreien? Ruft sie während sie frisst, auf die Toilette geht, springt oder sich bewegt? Wirkt sie unruhig, desorientiert oder anders als sonst? Dann steht ein Gesundheitscheck an.

Schmerzen, Erkrankungen der Harnwege, Magen-Darm-Beschwerden, Zahnprobleme, hormonelle Erkrankungen und viele weitere körperliche Ursachen können das Verhalten verändern. 

Beobachte deine Katzen daher ganz bewusst, und suche aktiv nach Schmerzanzeichen. Bilde dich dafür auch weiter, solltest du das noch nicht am Schirm haben. In den letzten Jahren gab es viele neue Erkenntnisse, sodass auch und vor allem zu Hause Schmerzen und Erkrankungen gut erkannt werden können. Anleitungen dazu gebe ich dir unter anderem in meinem Kurs zur Katzensprache „Endlich Verstehen“ mit.

Grund #3: Fehlende Beschäftigung

Katzen sind in der Dämmerung oft besonders aktiv. Das bedeutet aber nicht, dass du dich damit abfinden musst, dass deine Katze jede Nacht durch die Wohnung läuft und dich weckt. Katzen können lernen, ihren Rhythmus an den gemeinsamen Alltag anzupassen, wenn ihre Bedürfnisse tagsüber und am Abend ausreichend berücksichtigt werden. Schläft deine Katze den Großteil des Tages und hat sie in der Zeit dadurch kaum Beschäftigung, ist es klar, dass sie nachts auf einmal aktiv ist. Plane deswegen mehrere kurze, interaktive Spieleinheiten über den Tag verteilt ein. Am Abend kann eine zusätzliche Beschäftigungsroutine helfen: ein interaktives Angelspiel, ein gemeinsames Clickertraining und eine Futterbeschäftigung zum Abschluss. So dass deine Katze danach ganz entspannt und glücklich schlafen gehen kann.

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Grund #4: Veränderungen

Hast du kürzlich den Job gewechselt, bist umgezogen oder hat sich euer Tagesablauf verändert? Ist ein neuer Mensch oder ein weiteres Tier eingezogen? Vielleicht lebt deine Katze auch erst seit kurzer Zeit bei dir. Solche Veränderungen können Unsicherheit und Anspannung auslösen.

Die Lösung ist nicht automatisch, so viel Zeit wie möglich mit deiner Katze zu verbringen. Manche Katzen suchen bei Stress Nähe, andere brauchen mehr Abstand. Berührung hilft nur, wenn deine Katze sie in diesem Moment wirklich möchte.

Was vielen Katzen hilft, sind Vorhersehbarkeit, sichere Rückzugsorte und Wahlmöglichkeiten. Dazu gehören zum Beispiel Höhlen, erhöhte Liegeplätze, alternative Wege durch die Wohnung und Orte, an denen deine Katze nicht gestört wird.

Auch kleine Rituale können Sicherheit geben. Ob es das Kuscheln nach der Arbeit ist, das Angelspiel vor dem Abendessen, oder das Training nach dem Zähneputzen, alles kann deiner Katze Sicherheit schenken.

Grund #5: Bedürfnis nach sozialem Kontakt

Ist deine Katze tagsüber lange alleine oder hat sich eure gemeinsame Zeit deutlich verändert, kann nachts das Bedürfnis nach Kontakt stärker werden. Dabei müssen wir unterscheiden: Sucht sie Nähe zu dir, fehlt ihr gemeinsame Aktivität oder zeigt sie grundsätzlich ein starkes Bedürfnis nach sozialem Kontakt mit einer anderen Katze? 

Katzen sind keine Einzelgänger und profitieren sehr oft von einer passenden Partnerkatze. Das darf allerdings vorab genauer angesehen werden. Wenn du überlegst, eine zusätzliche Katze aufzunehmen, schau gerne einmal in meinen Zusammenführungs-Beitrag.

Grund #6: Zunehmendes Alter

Bei älteren Katzen kommt nächtliches Schreien häufiger vor. Mögliche Ursachen sind schlechteres Sehen oder Hören, Schmerzen, Bluthochdruck, eine Schilddrüsenüberfunktion oder kognitive Veränderungen. Manche Katzen wirken nachts desorientiert, wandern durch die Wohnung oder finden wichtige Ressourcen nicht mehr so leicht.

Das ist übrigens nicht „normal“. Das sind Hinweise, dass deine Katze medizinische Unterstützung braucht. Eine ältere Katze, die neu oder deutlich häufiger schreit, sollte  tierärztlich untersucht werden.

Zusätzlich kannst du ihr den Alltag erleichtern: mit kleinen Nachtlichtern, gut erreichbaren Wasser- und Futterstellen, niedrigen Toiletteneinstiegen, rutschfesten Wegen und Treppen oder Rampen zu wichtigen Liegeplätzen. Auch ein möglichst vorhersehbarer Tagesablauf kann helfen. Hier findest du dazu einige Tipps.

Grund #7: Hunger oder Fütterungsrhythmus

Katzen nehmen in der Natur 10 bis 20 kleine Mahlzeiten zu sich. Zwei bis drei größere Mahlzeiten entsprechen also nicht den Bedürfnissen von Katzen. Gerade nachts haben Katzen oft viele Stunden nichts zu fressen, wodurch sie deutlich unzufriedener sein können.

Versuche die Tagesration auf viele kleine Mahlzeiten aufzuteilen. Arbeite dabei gerne auch mit einem zeitgesteuerten Futterautomaten, sodass deine Katzen auch nachts nicht hungern müssen. Die Gesamtfuttermenge sollte dabei natürlich gleich bleiben und zur individuellen Katze passen.

Wichtig: Frisst deine Katze plötzlich deutlich mehr, wirkt ständig hungrig, nimmt trotzdem ab oder trinkt auffällig viel, gehört auch das tierärztlich abgeklärt. Dann geht es nicht nur um den Fütterungsrhythmus.

Grund #8: Wunsch nach Freigang

Ist deine Katze Freigängerin und möchte sie auch nachts raus, kann eine geschlossene Tür Frust auslösen. In vielen Fällen kann eine Katzenklappe da entlasten. 

Was du nachts tun kannst

Hat deine Katze gelernt, dass du aufstehst, spielst, fütterst oder eine Tür öffnest, sobald sie lange genug ruft, kann deine Reaktion das Verhalten aufrechterhalten. Das bedeutet aber nicht, dass die Lösung lautet: Ab heute wird jedes Schreien komplett ignoriert.

Pauschales Ignorieren ist vor allem dann gefährlich, wenn Schmerzen, Angst, Desorientierung oder ein anderes dringendes Bedürfnis dahinterstecken. Und selbst wenn deine Katze gesund ist, braucht sie einen anderen verständlichen Weg, um mit dir zu kommunizieren. Das sehen wir uns unter anderem auch in meinem Beitrag zum Katzen ignorieren als Erziehungsmaßnahme. Dort besprechen wir auch, warum deine Kommunikation unbedingt zuverlässig sein muss.

Gehe Schritt für Schritt vor:

  1. Gesundheit abklären: Vor allem bei neuem, verändertem oder sehr intensivem Schreien.
  2. Muster erkennen: Notiere Zeitpunkt, Ort, Auslöser und das, was das Schreien beendet.
  3. Bedürfnisse vorhersehbar erfüllen: Verteile Spiel, Futter, Kontakt und Ruhe passend über den Tag, damit deine Katze nicht erst nachts darum kämpfen muss. Mache das zuverlässig, sodass deine Katze weiß, dass sie einen fixen Platz in deinem Alltag hat.

Strafen, Anschreien, Wasserspritzen oder Erschrecken sollten übrigens keine Maßnahme sein. Sie lösen weder die Ursache noch zeigen sie deiner Katze, was sie stattdessen tun kann.

Fazit: Warum schreit meine Katze nachts?

Die Gründe für nächtliches Schreien sind sehr vielfältig. Deine Katze kann Schmerzen haben, hungrig sein, auf eine Veränderung reagieren, Beschäftigung oder Kontakt brauchen, hormonell motiviert sein oder durch Reize draußen aktiviert werden.

Deshalb gibt es keine Standardantwort wie „Ignoriere sie einfach“. Wir dürfen zuerst herausfinden, was deine Katze mit ihrem Verhalten erreichen oder bewältigen möchte.

Gleichzeitig zählt auch dein Schlaf. Du musst nicht jede Nacht aufstehen und jeden Wunsch erfüllen. Wenn Gesundheit und Bedürfnisse geklärt sind, helfen ein vorhersehbarer Tagesablauf, passende Beschäftigung, klare Kommunikationswege und eine ruhige, einheitliche Reaktion.

So lernt deine Katze nicht nur, nachts still zu sein. Sie bekommt eine andere Möglichkeit, sich verständlich zu machen, und ihr könnt beide wieder besser schlafen.

Solltest du Unterstützung dabei brauchen, die Ursache zu finden und einen individuellen Plan aufzubauen, komm gern in meine Katzensprechstunde.

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