Wenn deine Katze aufgibt
Verhalten stoppen ist kein Training
Ich hatte letztens ein Gespräch bei einem Abendessen, in dem es um eine Trainingsmethode beim Hund ging. Der Hund ist an einer kurzen Leine, der Mensch stellt sich darauf und der Hund kann nicht mehr weg. Er zieht, versucht wegzugehen, schafft es aber nicht. Nach einer Weile hört er auf, es überhaupt zu versuchen. Passiert das oft genug, ist der Hund irgendwann endlich gehorsam.
Die Person, die mir das erzählt hat, fand das gut. Sie wusste nicht, dass sie mir gerade beschreibt, wie ein Tier lernt aufzugeben.
Und dann kam die Frage: „Cindy, kann man das bei Katzen nicht auch so machen? Du arbeitest ja mit Katzen, die aufeinander losgehen. Das wäre doch total praktisch.“
Die grundlegenden Lernprinzipien gelten artübergreifend. Egal ob Hund, Katze oder Mensch, wir lernen ähnlich. Die Bedürfnisse und das Ausdrucksverhalten sind unterschiedlich, aber wir lernen alle über Konsequenzen.
Theoretisch kann ich also sagen: Ja, das geht bei Katzen genauso. Die Frage ist nur eine andere. Nicht, ob es geht, sondern ob ich das will. Und ob ich verstehe, was ich da mit meinem Tier eigentlich tue.
In diesem Beitrag schauen wir uns an, warum es nicht reicht, Verhalten zu stoppen, wie du erkennst, ob deine Katze wirklich etwas gelernt oder nur aufgegeben hat, und wie du ihr stattdessen helfen kannst.
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Hier kannst du dir meine zugehörige Podcastfolge anhören:
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Das Wichtigste in Kürze
Wenn deine Katze ein Verhalten nicht mehr zeigt, ist das Problem damit noch nicht zwingend gelöst. Sie kann gelernt haben, mit der Situation besser umzugehen. Sie kann aber auch gelernt haben, dass ihre Reaktion nichts verändert.
Ruhig bedeutet nicht automatisch entspannt. Erlebt eine Katze wiederholt, dass sie einer belastenden Situation nicht entkommen kann, kann sich daraus erlernte Hilflosigkeit entwickeln.
Management ist wichtig und in vielen Situationen unverzichtbar. Es schützt deine Katzen und verhindert weitere schlechte Erfahrungen. Es zeigt deiner Katze allerdings noch nicht, was sie stattdessen tun kann.
Für eine nachhaltige Veränderung schauen wir uns an, welche Funktion das Verhalten hat, warum dieses Ziel für die Katze wichtig ist und welche Fähigkeit ihr für ein anderes Verhalten fehlt.
Schauen wir uns die Methode genauer an
Beschrieben wurde sie mir so: Der Hund liegt an der kurzen Leine am Boden, der Mensch steigt darauf, der Hund kommt nicht weg. Er zieht und versucht, Abstand zu gewinnen. Er schafft es nicht.
Was passiert, wenn ein Tier das wiederholt erlebt? Es macht die Erfahrung, dass sein Verhalten die Situation nicht verändert. Und Verhalten, das nichts bewirkt, wird mit der Zeit seltener gezeigt. Das ist der Punkt, an dem ein Tier aufhören kann, es überhaupt zu versuchen.
Übertragen wir den Gedanken auf eine Katze. Ich halte sie so lange in einer schwierigen Situation fest, bis sie aufhört sich zu wehren. Ich blockiere ihr jede Möglichkeit, Abstand zu nehmen, so lange, bis sie es nicht mehr versucht.
Was hat diese Katze dann gelernt? Bestimmt nicht, dass sie sicher und handlungsfähig ist. Sie weiß danach womöglich gar nicht mehr, dass sie sich überhaupt wehren kann. Sie lernt eher:
- Ich habe keine Wahl.
- Ich komme hier nicht weg.
- Es bringt nichts, etwas zu versuchen.
- Mein Verhalten verändert nichts.
- Ich muss das aushalten.
Von außen wirkt sie danach ruhiger. Sie wehrt sich schließlich nicht mehr. Sie hat aber nicht gelernt, mit der Situation umzugehen. Sie hat gelernt, dass sie machtlos ist.
Erlernte Hilflosigkeit: wenn ruhig nicht entspannt bedeutet
Erlebt ein Tier wiederholt, dass keine seiner Reaktionen etwas verändert und dass es einer belastenden Situation nicht entkommen kann, kann sich daraus erlernte Hilflosigkeit entwickeln.
Das heißt jetzt nicht, dass jede Katze, die ein Verhalten einstellt, aufgegeben hat. Ganz oft hat sie tatsächlich etwas gelernt. Der Unterschied liegt darin, ob sie dabei eine Wahl hatte.
Und genau da setze ich an. Deine Katze soll erleben, dass ihr Verhalten etwas bewirkt und dass sie es in der Hand hat, ob eine Situation für sie besser wird.
Warum Kontrolle für Katzen so viel verändert, habe ich in Folge 17 meines Podcasts besprochen.
Wenn du wissen möchtest, wann eine Konfrontation noch eine bewältigbare Lernerfahrung ist und wann sie zu Flooding wird, lies auch meinen Beitrag über die Konfrontationstherapie bei Katzen-Vergesellschaftungen.
Zwei völlig unterschiedliche Ziele
Die Frage, um die sich für mich alles dreht, ist: Soll ein Tier lernen, dass sein Verhalten nichts bringt? Oder soll es Fähigkeiten entwickeln, mit denen es eine Situation wirklich bewältigen kann?
Das sind zwei völlig unterschiedliche Ziele.
Ich möchte keiner Katze beibringen: Dein Verhalten bringt nichts, dein Bedürfnis zählt nicht, du musst das jetzt aushalten. Ich möchte Katzen nicht kleiner machen und ihnen nicht zeigen, dass sie einer Situation machtlos ausgeliefert sind.
Ich möchte ihnen zeigen, was sie können. Dass sie merken:
- Ich kann mich abwenden.
- Ich kann Abstand nehmen.
- Ich kann mich an meinem Menschen orientieren.
- Ich kann anzeigen, dass es mir zu viel wird.
- Mein Verhalten hat Einfluss darauf, was als Nächstes passiert.
Denn genau das schafft Sicherheit. Deine Katze weiß dann: Wenn es schwierig wird, habe ich Möglichkeiten, und meine Reaktion bewirkt etwas.
Darf Verhalten verhindert werden?
Darauf gibt es ein ganz klares Ja. Management ist ein wichtiger Teil, wenn du Verhalten verändern möchtest.
Wenn deine Katzen aufeinander losgehen, hältst du sie selbstverständlich davon ab, einander wehzutun. Je nach Situation kann Management bedeuten, mehr Abstand zu schaffen, einen Sichtschutz einzusetzen, die Katzen räumlich zu trennen, eine Gittertür zu nutzen, blockierte Wege zu verändern oder Futter und andere wichtige Ressourcen passend zu verteilen. Solche Maßnahmen gehen wir auch in meinem Erste Hilfe-Protokoll bei Katzenstreit durch, weil sie der erste wichtige Schritt zu einem friedlichen Miteinander sind.
Das Problem ist also nicht, dass wir Verhalten manchmal begrenzen. Natürlich müssen wir das. Wenn eine Katze die andere angreift, kann ich nicht danebenstehen und sagen: „Die Freiheit der einen ist mir wichtiger als die Sicherheit der anderen.“ Das wäre unverantwortlich.
Die Frage ist immer, wie und wofür ich Management nutze. Nutze ich es, um Sicherheit herzustellen und gutes Lernen möglich zu machen? Oder nutze ich es, damit ein Tier einer schwierigen Situation nicht entkommen kann und irgendwann aufgibt?
Bei der Methode, die mir beschrieben wurde, gilt das Training als erfolgreich, wenn das Tier aufhört, es zu versuchen. Das ist das Erfolgskriterium. Und genau da bin ich raus.
Management schützt, löst aber häufig noch nicht das Problem
Nehmen wir eine Katze, die ihre Zweitkatze sieht und sofort auf sie losrennt. Wenn dieses Verhalten der anderen Katze schadet, verhinderst du es. Und zwar unabhängig davon, ob die erste Katze spielen, die andere vertreiben oder ihre Aufregung loswerden möchte. Erst schützt du, dann schaust du dir an, warum sie es tut.
Dafür setzt du Management ein: eine Gittertür, einen Sichtschutz, mehr Abstand, eine veränderte Raumgestaltung. All das ist erst einmal Schutz. Es sagt deiner Katze noch nicht, was sie stattdessen tun kann.
Dann kommt die entscheidende Frage: Ist das Problem gelöst, oder wurde bisher nur verhindert, dass das Verhalten auftritt? Kann es für immer so bleiben, oder muss sich langfristig etwas ändern?
Manchmal reicht Management tatsächlich aus. Wenn deine Katze nur deshalb an einer Engstelle lauert, weil der Weg zum Klo dort vorbeiführt, kann eine zweite Zugangsmöglichkeit den Konflikt vollständig auflösen. Da braucht es kein Training.
Kommt das Verhalten trotz Management weiterhin vor oder funktioniert die Lösung nur, solange du ständig aktiv eingreifst, fehlt noch etwas. Dann lohnt sich der Blick auf die Ursache.
Was erreicht deine Katze mit ihrem Verhalten?
Bevor ich mit einem Alternativverhalten komme, stelle ich mir die Frage: Welche Funktion hat das Losrennen überhaupt?
- Will sie die Zweitkatze vertreiben, damit sie verschwindet?
- Ist sie so aufgeregt, dass sie nicht weiß, wohin mit sich?
- Liegt es an Langeweile und ist es für sie eine Form von Spiel?
- Geht es um eine Ressource, in deren Nähe die andere Katze gerade ist?
Das sichtbare Verhalten sieht in all diesen Fällen ähnlich aus. Die Funktion dahinter ist eine völlig andere.
Wenn ich die Funktion kenne, kann ich noch eine Ebene tiefer gehen. Sagen wir, sie will, dass die Zweitkatze verschwindet. Warum will sie das? Verbindet sie die andere Katze mit Schmerz? Ist Futter oder ein anderer wichtiger Platz zu knapp? Gab es nie eine richtige Vergesellschaftung und ist sie deswegen unsicher? Hat sie Angst um ihre eigene Sicherheit?
Das macht einen Unterschied für die Lösung. Mehr Futterplätze, gesundheitliche Probleme behandeln, Sicherheit und Selbstvertrauen aufbauen. Im besten Fall löst du die Ursache so weit, dass das Verhalten gar nicht mehr auftritt.
Ganz oft gibt es dabei nicht die eine Ursache, auch wenn wir uns das wünschen. Es sind meist viele Puzzleteile, die zusammenspielen. Das ist gleichzeitig eine gute Nachricht, weil du an vielen Stellen ansetzen kannst.
Einen Überblick über die Ursachen findest du in meinem Webinar „In 3 Schritten zu mehr Harmonie im Mehrkatzenhaushalt“.
Braucht deine Katze zusätzliche Fähigkeiten?
Die Ursachen zu beheben, ist ein wichtiger Teil. Wenn deine Katze zusätzlich eine neue Fähigkeit braucht, kannst du parallel an einem Alternativverhalten arbeiten.
Wichtig: Nicht jedes Problem braucht das. Wenn getrennte Futterplätze den Konflikt vollständig lösen, müssen deine Katzen nicht lernen, nebeneinander zu fressen.
Sagen wir, deine Katze rennt auf die Zweitkatze los, weil ihre Aufregung extrem hoch ist, sobald sie sie sieht. Dann sind Routinen sinnvoll und Begegnungen, die anfangs sehr kontrolliert stattfinden. Deine Katze kann zum Beispiel lernen, sich von der anderen Katze abzuwenden, auf einem eigenen Warteplatz zu warten, ruhig weiterzulaufen, Abstand zu nehmen, sich an ihrem Menschen zu orientieren oder die Begegnung frühzeitig zu verlassen.
Auch Pattern Games helfen, also feste Muster, die du bei Begegnungssituationen einsetzt. Das macht die Situation vorhersehbar und gibt deiner Katze Sicherheit.
Diese Fähigkeiten und Muster trainieren wir nicht mitten im Konflikt. Wenn deine Katze schon starrt und ihre Anspannung steigt, ist das nicht der Moment, ihr etwas völlig Neues beizubringen. Wir bauen das Verhalten zuerst in einer ruhigen, sicheren Situation auf und steigern die Schwierigkeit Schritt für Schritt.
Wir haben also viele Möglichkeiten. Keine davon setzt voraus, dass die Katze aufgibt. Und keine davon lässt die Frage weg, wie es der Katze dabei geht.
Vier konkrete Verhaltensweisen, die du als Alternative zu einem Angriff aufbauen kannst, zeige ich dir in meinem Beitrag „Katze greift Zweitkatze an: 4 Wege, wie sie eine Alternative lernt“.
Fünf Fragen, die dir bei einer Verhaltensänderung helfen
Wenn du bei deiner Katze gerade ein Verhalten verändern möchtest, nimm dir diese fünf Fragen mit:
1. Welche Funktion hat das Verhalten?
Was erreicht deine Katze dadurch? Verschwindet die Zweitkatze, bekommt sie Abstand, kommt sie an eine Ressource oder baut sie Aufregung ab?
2. Warum ist dieses Ziel für deine Katze wichtig?
Hier geht es um die Ursache dahinter: Schmerzen, Unsicherheit, eine fehlende Vergesellschaftung oder eine knappe Ressource.
3. Wie kann sie dieses Ziel anders erreichen, oder was macht es überflüssig?
Wenn deine Katze zum Beispiel unsicher ist, verändern ein anderer Aufbau und mehr Selbstvertrauen sehr viel. Im besten Fall braucht sie ihr bisheriges Verhalten dann gar nicht mehr.
4. Braucht sie für die Lösung eine neue Fähigkeit, und wenn ja, welche?
Kann sie sich abwenden? Kann sie warten? Kann sie ruhig an der anderen Katze vorbeigehen? Kann sie einen sicheren Ort aufsuchen oder auf ein bekanntes Signal reagieren?
5. Wie muss die Situation aussehen, damit das gewünschte Verhalten realistisch bzw. wahrscheinlich wird?
Braucht deine Katze mehr Abstand, kürzere Begegnungen, einen Sichtschutz oder einen klaren Ablauf? Gestalte die Situation so, dass sie Erfolg hat.
Deine Katze soll nicht kleiner werden, sondern kompetenter
Zurück zur Frage vom Abendessen: Kann man das bei Katzen auch so machen?
Man kann eine Katze dazu bringen aufzugeben, das stimmt. Aber das ist nicht mein Ziel, und es wäre auch bei einem Hund nicht meins.
Ein verschwundenes Verhalten kann bedeuten, dass das Problem gelöst ist. Es kann aber auch bedeuten, dass deine Katze keine andere Möglichkeit mehr sieht. Deshalb lohnt es sich, nicht nur auf das sichtbare Verhalten zu schauen, sondern darauf, wie es deiner Katze mit der Lösung geht.
Manchmal ist passendes Management bereits die Lösung. Und manchmal braucht deine Katze zusätzlich zum Beispiel passende Beschäftigung, gesundheitliche Unterstützung oder Training, das ihr neue Möglichkeiten gibt.
Wenn du verstehen möchtest, warum deine Katzen streiten und was sie für ein entspanntes Zusammenleben brauchen, bist du herzlich in meinem 0 €-Webinar willkommen.
Hey, ich bin Cindy,
deine Katzentrainerin mit Spezialisierung auf Disharmonie im Mehrkatzenhaushalt. Ich helfe dir, Streit, Angst und Stress zwischen Katzen zu lösen, indem du sie rundum glücklich und kompetent machst. Denn glückliche Katzen machen auch uns Menschen glücklich!
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Häufig gestellte Fragen
Erlernte Hilflosigkeit beschreibt einen Zustand, in dem eine Katze aufhört zu reagieren, weil sie wiederholt erlebt hat, dass keine ihrer Reaktionen etwas verändert und sie einer belastenden Situation nicht entkommen kann. Sie wirkt danach ruhig, ist aber nicht entspannt.
Schau dir an, wie das Verhalten verschwunden ist. Eine entspannte Katze zeigt weiterhin Initiative, bewegt sich frei, sucht Kontakt und reagiert auf ihre Umgebung. Eine Katze, die aufgegeben hat, wird passiv, zieht sich zurück und zeigt insgesamt weniger Verhalten, nicht nur das unerwünschte.
Manchmal ja. Wenn getrennte Futterplätze oder ein veränderter Weg den Konflikt vollständig auflösen, ist das eine gute Lösung. Die Frage ist, wie es deinen Katzen damit geht, und ist die Lösung dauerhaft möglich?
Hey, ich bin Cindy,
deine Katzentrainerin mit Spezialisierung auf Disharmonie im Mehrkatzenhaushalt. Ich helfe dir, Streit, Angst und Stress zwischen Katzen zu lösen, indem du sie rundum glücklich und kompetent machst. Denn glückliche Katzen machen auch uns Menschen glücklich!
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