Katze nicht futtermotiviert? Ursachen und Lösungen

"Meine Katze ist nicht futtermotiviert! Was kann ich tun?"

Ursachen und Lösungen, wenn deine Katze keine Leckerlis annimmt

Deine Katze lässt Leckerlis liegen, dreht sich beim Training weg oder zeigt überhaupt kein Interesse daran, sich ihr Futter zu erarbeiten? Dann hast du vielleicht schon einmal gedacht: „Meine Katze ist einfach nicht futtermotiviert.“

Aber so einfach ist es nicht.

Jede Katze braucht Futter, um zu überleben. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie jedes Leckerli mag oder zu jeder Tageszeit bereit ist, für Futter etwas zu tun.

Wenn deine Katze eine Belohnung liegen lässt, wissen wir erst einmal nur eines: Sie möchte oder kann dieses Futter in dieser Situation gerade nicht fressen.

Warum das so ist, müssen wir genauer herausfinden. Und dafür gibt es eine ganze Reihe möglicher Erklärungen.

Du hörst lieber statt zu lesen?

Hier kannst du dir meine zugehörige Podcastfolge anhören:

Das Wichtigste in Kürze

  • Jede Katze ist futtermotiviert. Sie möchte allerdings nicht jedes Futter und ist auch nicht jederzeit bereit, dafür etwas zu tun.
  • Gesundheitliche Probleme können die Futteraufnahme beeinflussen. Übelkeit, Zahnschmerzen oder Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts können dazu führen, dass deine Katze trotz Hunger nicht frisst.
  • Der Fütterungsalltag spielt eine wichtige Rolle. Wann, wie viel und auf welche Weise deine Katze ihr Futter bekommt, beeinflusst auch ihre Bereitschaft, dafür zu arbeiten.
  • Futter muss für deine Katze einen Wert haben. Ihre Vorlieben, die Trainingsumgebung und die Schwierigkeit der Aufgabe bestimmen mit, ob sie eine Belohnung annimmt.
  • Unangenehme Erfahrungen können die Futterannahme verändern. Wenn bestimmte Leckerlis regelmäßig etwas Unangenehmes ankündigen, kann deine Katze lernen, diese zu meiden.
  • Deine Katze muss unter Umständen erst lernen, für Futter zu arbeiten. Starte deshalb mit einfachen Aufgaben, bei denen sie schnell Erfolg hat.
  • Training funktioniert auch ohne Futter. Spiel, Aufmerksamkeit oder der Zugang zu einem gewünschten Ort können ebenfalls Belohnungen sein.

Warum deine Katze keine Leckerli annimmt.

Stell dir vor, du legst deiner Katze das teuerste Leckerli der Welt hin. Du hast extra darauf geachtet, dass es besonders hochwertig ist. Aber deine Katze schnuppert kurz daran und geht wieder.

Heißt das, sie ist nicht futtermotiviert? Oder hat das vielleicht andere Gründe? 

Das sehen wir uns an.

1. Deine Katze mag die Leckerlis nicht

Fangen wir mit dem Futter selbst an.

Viele denken beim Katzentraining sofort an die klassischen Leckerlis aus dem Beutel. Aber wer sagt denn, dass deine Katze genau die mögen muss?

Was frisst deine Katze denn jeden Tag? Frisst sie gerne Trockenfutter? Dann kannst du einfach einen Teil davon fürs Training verwenden. Liebt sie Nassfutter? Dann probier es mit kleinen Portionen vom Löffel oder Schleckspatel. Auch Schleckpasten, gefriergetrocknetes oder gekochtes Fleisch können gut funktionieren. Und selbst wenn deine Katze eine Futtermittelunverträglichkeit hat und nur ganz bestimmtes Futter verträgt, kannst du damit trainieren.

Du brauchst also keine speziellen Leckerlis.

Dazu kommt, dass Katzen ganz unterschiedliche Vorlieben haben. Und das betrifft nicht nur den Geschmack. Manche lieben weiches Futter, andere möchten knuspern. Manche nehmen ihre Belohnung am liebsten direkt aus der Hand, andere vom Boden. Und wieder andere möchten lieber etwas schlecken und finden es unangenehm, wenn du ihnen deine Hand direkt vors Gesicht hältst.

Schau also, was deine Katze wirklich gerne frisst und wie sie das Futter am liebsten bekommt.

2. Deine Katze hat gesundheitliche Probleme

Wenn deine Katze schlecht frisst, sollten wir uns immer auch ihre Gesundheit anschauen. Denn eine Katze kann Hunger haben und trotzdem nicht fressen können.

Ihr könnte übel sein. Sie könnte Zahnschmerzen haben, sodass ihr das Kauen wehtut. Oder sie hat Schmerzen im Bewegungsapparat und findet die Haltung beim Fressen unangenehm. Auch Magen-Darm-Erkrankungen und andere gesundheitliche Probleme können die Futteraufnahme stark beeinflussen.

Deswegen möchte ich immer ganz genau wissen, was damit eigentlich gemeint ist, wenn jemand sagt, dass seine Katze schlecht frisst.

Frisst deine Katze nur kleine Mengen? Geht sie immer wieder zum Napf und geht wieder weg? Lässt sie Futterstücke fallen? Schmatzt oder knirscht sie mit den Zähnen? Erbricht sie gelegentlich?

Dann gehört das tierärztlich abgeklärt.

Und noch etwas ganz Wichtiges: Auch eine Katze, die Trockenfutter frisst, kann Zahnschmerzen haben! Nur weil deine Katze frisst, bedeutet das nicht automatisch, dass ihr das Fressen keine Probleme bereitet.

Bevor du also immer neue Leckerlis kaufst, weil deine Katze beim Training kein Interesse zeigt, schau dir auch an, wie sie sich bei ihren normalen Mahlzeiten verhält.

3. Deine Katze ist gerade satt

Wie viel würdest du für ein Stück Brot tun, wenn du gerade ein riesiges Mittagessen hinter dir hast? Wahrscheinlich nicht besonders viel.

Bei deiner Katze ist das ähnlich.

Die Futtermotivation verändert sich über den Tag. Eine satte Katze wird für ein Stück ihres normalen Trockenfutters wahrscheinlich nicht besonders viel tun. Vor allem dann, wenn dieses Futter ohnehin den ganzen Tag herumsteht.

Jetzt geht es natürlich nicht darum, deine Katze fürs Training hungern zu lassen! Du kannst ihre Fütterung aber sinnvoll strukturieren.

Katzen brauchen viele kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt. Und einen großen Teil dieser Mahlzeiten kannst du wunderbar fürs Training und für andere Futterbeschäftigungen verwenden, zum Beispiel für ein Fummelbrett, einen Schnüffelteppich oder kleine Futtersuchspiele.

Wichtig ist nur, dass du dieses Futter nicht zusätzlich zur normalen Tagesration gibst. Das Futter fürs Training und für die Beschäftigung wird von der Tagesration abgezogen. Bei vielen Katzen kannst du sogar die gesamte Tagesration über passende Futterbeschäftigungen anbieten. 

Damit kann sich deine Katze mit ihrem Futter beschäftigen, bekommt es schön häppchenweise und du förderst damit auch kein Übergewicht.

4. Deine Katze hat noch nie gelernt, für Futter etwas zu tun

Jetzt stell dir einmal vor, deine Katze hat ihr ganzes Leben lang ihr Futter im Napf serviert bekommen. Sie musste noch nie etwas dafür tun.

Und plötzlich möchtest du, dass sie deine Hand mit ihrer Nase berührt oder einem Target folgt, um dafür ein Stück Trockenfutter zu bekommen.

Woher soll sie wissen, dass sie durch ihr eigenes Verhalten an Futter kommen kann? Auch das dürfen unsere Katzen erst lernen. Und da empfehle ich dir, ganz klein anzufangen.

Leg zum Beispiel ein paar Futterstücke an unterschiedlichen Stellen in deiner Wohnung aus. Wenn deine Katze das noch gar nicht kennt, muss sie anfangs auch nicht wirklich danach suchen. Sie geht einfach an einer Stelle vorbei, entdeckt das Futter und kann es fressen. So einfach darf das anfangs sein. Oder du nimmst ein ganz leichtes Fummelbrett, bei dem deine Katze ohne großen Aufwand an ihr Futter kommt.

Wenn das gut funktioniert, kannst du die Schwierigkeit nach und nach steigern.

Wichtig ist, dass deine Katze am Anfang schnell Erfolg hat und lernt, dass es sich lohnt, selbst aktiv zu werden.

5. Die Belohnung passt nicht zur Aufgabe

Nicht jede Übung ist für deine Katze gleich schwierig. Wenn du mit ihr im ruhigen Wohnzimmer ein einfaches Nasentarget trainierst, reicht vielleicht ihr normales Trockenfutter.

Aber wie sieht es aus, wenn du an der Transportbox trainierst? Oder wenn ihre zweite Katze im selben Raum ist? Da kann das Ganze schon deutlich schwieriger werden. Und plötzlich reicht das normale Trockenfutter nicht mehr aus. Je schwieriger die Aufgabe für deine Katze ist, desto wichtiger ist es, dass sich die Belohnung für sie auch wirklich lohnt.

Das bedeutet aber nicht, dass du deiner Katze einfach nur etwas besonders Tolles anbieten musst und dann funktioniert jede Übung. Auch die Schwierigkeit muss zu deiner Katze passen.

Nehmen wir einmal an, du möchtest, dass deine Katze auf einem Warteplatz bleibt, während du dich mit deiner zweiten Katze beschäftigst. Dann fängst du natürlich nicht damit an, dass deine Katze auf ihrem Platz sitzen soll, während die andere Katze direkt daneben spielt.

Zuerst zeigst du deiner Katze überhaupt einmal, dass es diesen Platz gibt, und sorgst dafür, dass sie gerne dort ist. Danach übst du, dass du dich ein kleines Stück bewegen kannst.

Und die zweite Katze? Die kommt erst viel, viel später dazu.

Wir erwarten beim Training oft sehr viel von unseren Katzen. Wenn eine Übung aber zu schwierig wird, kann das Frust oder Unsicherheit auslösen. Und dann lohnt sich das angebotene Futter für deine Katze möglicherweise einfach nicht mehr.

Schau deshalb immer auch auf den Trainingsaufbau.

6. Deine Katze fühlt sich in der Trainingssituation nicht wohl

Deine Katze liebt eine bestimmte Schleckpaste und nimmt sie normalerweise sofort? Super!

Jetzt sitzt aber ihre zweite Katze daneben, beobachtet sie und deine Katze lässt die Schleckpaste plötzlich liegen. Heißt das, dass sie die Schleckpaste auf einmal nicht mehr mag?

Natürlich nicht.

Vielleicht fühlt sie sich in dieser Situation einfach nicht sicher genug, um zu fressen. Und genau deswegen müssen wir beim Training immer auch die Umgebung berücksichtigen.

Ist es ruhig oder laut? Ist eine andere Katze in der Nähe? Hat deine Katze ausreichend Platz? Kann sie sich frei bewegen und zurückziehen? Und wie geht es dir selbst gerade? Bist du entspannt oder schon frustriert, weil deine Katze wieder nicht mitmacht? Auch deine Stimmung kann das Training beeinflussen.

Wenn deine Katze in einer bestimmten Situation kein Futter annimmt, dann schau dir die gesamte Situation an.

7. Du kannst deine Katze auch ohne Futter trainieren

Bis jetzt haben wir uns vor allem angeschaut, warum deine Katze Futter liegen lässt und was du daran verändern kannst.

Aber: Du musst deine Katze gar nicht unbedingt mit Futter belohnen. Futter ist nur eine von vielen Möglichkeiten.

Eine Belohnung ist etwas, das dazu führt, dass deine Katze ein bestimmtes Verhalten in Zukunft öfter zeigt. Das kann zum Beispiel ein gemeinsames Spiel sein. Oder du öffnest die Balkontür, weil deine Katze gerade gerne auf den Balkon möchte. Auch Aufmerksamkeit, Streicheleinheiten oder gebürstet zu werden, können passende Belohnungen sein. Dann kannst du diese Dinge auch fürs Training nutzen.

Wichtig ist nur, dass deine Katze das in der jeweiligen Situation wirklich möchte. Wenn deine Katze gerade nicht berührt werden will, dann ist das natürlich keine Belohnung für sie. Es kann sogar dazu führen, dass sie das Verhalten in Zukunft seltener zeigt.

Ob etwas wirklich als Belohnung funktioniert, erkennst du am Verhalten deiner Katze. Zeigt sie das gewünschte Verhalten in Zukunft öfter, dann hat die Belohnung funktioniert.

Du hast also viel mehr Möglichkeiten, als ausschließlich mit Leckerlis zu arbeiten.

Was kannst du jetzt konkret tun?

Das waren jetzt einige Themen. Aber genau das ist das Gute daran. Denn wenn deine Katze beim Training kein Futter annimmt, haben wir ganz viele Möglichkeiten, etwas zu verändern.

Deswegen möchte ich dir ein paar Fragen mitgeben, die du dir bei deiner Katze stellen kannst.

Schau dir zuerst die Fütterung an:

  • Was frisst deine Katze wirklich gerne?
  • Wie viel bekommt sie davon über den Tag verteilt?
  • Ist sie eher zu bestimmten Tageszeiten hungrig oder aktiv?
  • Nimmt sie zu, ab oder hält sie ihr Gewicht?
  • Gibst du die Leckerlis zusätzlich oder nutzt du einen Teil ihrer Tagesration?
  • Kennt sie es überhaupt, für Futter etwas zu tun?

Dann schau dir ihre Gesundheit an:

  • Wie verhält sich deine Katze beim Fressen?
  • Gibt es Anzeichen für Übelkeit oder Schmerzen?
  • Wurden mögliche gesundheitliche Probleme bereits untersucht?

Und schließlich das Training selbst:

  • Ist die Umgebung ruhig?
  • Ist eine zweite Katze in Sichtweite?
  • Ist der Trainingsschritt klein genug?
  • Passt die Belohnung zur Schwierigkeit der Aufgabe?
  • Wie bietest du das Futter an?
  • Was möchte deine Katze in dieser Situation vielleicht sonst noch gerne haben oder erreichen?

Du siehst, es gibt einiges, was du ausprobieren und verändern kannst. Und du musst dabei auch nicht alles gleichzeitig umstellen.

Überleg dir, welcher Punkt bei deiner Katze gerade am ehesten eine Rolle spielt, und fang dort an.

Fazit: Jede Katze ist trainierbar!

Wenn deine Katze keine Leckerlis nimmt, bedeutet das nicht, dass du sie nicht trainieren kannst.

Sie mag vielleicht einfach nicht jedes Leckerli. Sie wird auch nicht zu jeder Tageszeit für jedes Futter arbeiten wollen. Vielleicht muss sie überhaupt erst lernen, dass sie sich durch ihr eigenes Verhalten Futter erarbeiten kann. Und wenn sie sich in einer Situation unwohl fühlt, kann sie selbst das Futter liegen lassen, das sie normalerweise liebt.

Deswegen möchte ich, dass du bei deiner Katze genauer hinschaust, bevor du sagst: „Sie ist einfach nicht futtermotiviert.“

Denn jede Katze lernt. Und damit ist auch jede Katze trainierbar.

Du wünschst dir Unterstützung beim Training mit deiner Katze?

Wenn du nicht alleine herausfinden möchtest, warum deine Katze beim Training kein Futter annimmt oder wie du ihr bestimmte Dinge beibringen kannst, dann bist du in meiner Katzensprechstunde herzlich willkommen. Dort schauen wir uns gemeinsam an, wie die Situation bei euch gerade aussieht, wo die Schwierigkeiten liegen und was du verändern kannst. Wenn du lieber selbstständig mit deiner Katze trainieren möchtest, findest du im Miezclub zahlreiche Anleitungen, mit denen du euer Training Schritt für Schritt aufbauen kannst.

Zum Weiterhören: In Podcastfolge 40 spreche ich über typische Probleme beim Einstieg ins Katzentraining. Hier kannst du dir die Folge auf Spotify anhören.

Cindy Maslowski | Miezliebe

Hey, ich bin Cindy Maslowski!

Ich bin ausgebildete Katzenverhaltensberaterin und Katzentrainerin, spezialisiert auf Mehrkatzenhaushalte. Ich zeige dir, wie du deine Katzen besser verstehst und ihnen zu einem entspannten Zusammenleben verhilfst. 

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Häufig gestellte Fragen

Ein leichter Hunger kann helfen. Allerdings sollte deine Katze für das Training nicht hungern! Du kannst einen Teil ihrer normalen Tagesration für das Training einplanen und beispielsweise vor einer regulären Mahlzeit üben, wenn sie ohnehin Interesse an Futter zeigt.

Probiere unterschiedliche Konsistenzen und Geschmacksrichtungen aus. Viele Katzen mögen Schleckpasten, kleine Stücke gekochtes Fleisch oder gefriergetrocknete Snacks. Auch das normale Hauptfutter kann eine gute Belohnung sein. Entscheidend ist, was deine Katze gerne frisst.

Ja. Du kannst kleine Portionen ihres Hauptfutters verwenden. Bei Trockenfutter funktioniert das oft besonders unkompliziert. Wenn deine Katze ausschließlich Nassfutter bekommt, kannst du es beispielsweise mit einem Löffel oder Schleckspatel anbieten.

Ein Tierarztbesuch kann mit Stress, Angst und Unsicherheit verbunden sein. In dieser Situation ist das Futter für deine Katze unter Umständen nicht wichtig genug. Ein kleinschrittiges Training für den Tierarztbesuch kann ihr helfen, sich in diesen Situationen sicherer zu fühlen.

Dass deine Katze Futter annimmt, bedeutet noch nicht, dass sie die Übung versteht. Überprüfe, ob der Trainingsschritt klein genug ist, ob sie weiß, welches Verhalten sich lohnt, und ob du das gewünschte Verhalten im richtigen Moment belohnst.

Ja! Auch ältere Katzen lernen neue Verhaltensweisen. Wichtig ist, dass du das Training an ihre körperlichen Möglichkeiten anpasst. Gerade bei älteren Katzen solltest du mögliche Schmerzen und Bewegungseinschränkungen berücksichtigen.

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