Schmerzen bei Katzen erkennen: 5 Warnzeichen

Schmerzen bei Katzen erkennen

5 Warnzeichen, die häufig übersehen werden

Deine Katze frisst, spielt und kuschelt. Und trotzdem kann ihr etwas wehtun.

Katzen zeigen Schmerzen oft so unauffällig, dass sie jahrelang nicht erkannt werden. Manchmal verändert sich nur die Art, wie eine Katze springt. Sie kaut plötzlich auf einer Seite, nutzt ihre hohen Liegeplätze seltener oder reagiert schneller gereizt.

Gerade bei Streit im Mehrkatzenhaushalt werden solche Veränderungen schnell als reines Verhaltensproblem eingeordnet. Dabei sehe ich in meinen Beratungen sehr oft körperliche Auffälligkeiten, die medizinisch abgeklärt gehören. Denn wenn einer Katze etwas wehtut, hat sie oft eine kürzere Zündschnur. Sie reagiert schneller „unfreundlich“ oder eskaliert sogar.

In diesem Beitrag zeige ich dir fünf Bereiche, die du bei deinen Katzen beobachten solltest. Außerdem erfährst du, wie du deine Beobachtungen so festhältst, dass sie bei der tierärztlichen Abklärung wirklich weiterhelfen.

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Das Wichtigste in Kürze

Katzen können Schmerzen haben und trotzdem fressen, spielen und kuscheln. Oft zeigen sie nur kleine Veränderungen beim Springen, Fressen, Toilettengang, bei Berührungen oder im Sozialverhalten.

Ein einzelnes Anzeichen sagt noch nicht, was dahintersteckt. Entscheidend sind Veränderungen und Muster. Filme deine Katze im Alltag, schreibe konkrete Beobachtungen auf und nimm diese Informationen mit in die Tierarztpraxis.

Bei Streit im Mehrkatzenhaushalt gehören körperliche Ursachen immer abgeklärt. Schmerzen können die Belastungsgrenze einer Katze senken und Konflikte verstärken. Wenn dich eine Auffälligkeit trotz Untersuchung nicht loslässt, darfst du eine zweite Meinung einholen.

Warum Schmerzen bei Katzen so leicht übersehen werden

Deine Katze kann dir nicht sagen, dass ihr seit drei Monaten beim Springen die Hüfte wehtut oder dass ihr beim Fressen hinten rechts etwas weh tut.

Sie passt ihr Verhalten an. Sie nimmt den Stuhl als Zwischenstation. Sie schont ihr Hinterbein, indem sie kürzer auffußt. Sie kaut auf der anderen Seite. Sie sucht sich einen niedrigeren Schlafplatz oder hält mehr Abstand zur anderen Katze, weil eine Berührung unangenehm sein könnte.

Meist passiert das Schritt für Schritt. Dadurch fällt es im Alltag kaum auf. Oftmals kommen dann gar Gedanken hoch wie „Sie wird halt älter.“, was allerdings keine Begründung dafür ist, dass eine Katze weniger springt, spielt oder freudig ist.

In der Tierarztpraxis kommt noch etwas dazu: Viele Katzen haben dort große Angst und verhalten sich völlig anders als zu Hause. Die Tierärztin erlebt deine Katze zudem nur für kurze Zeit und in einer Ausnahmesituation. Was dir im Alltag auffällt, kann während der Untersuchung unsichtbar bleiben.

Du siehst deine Katze jeden Tag. Beim Aufstehen, Laufen, Springen, Fressen, Putzen, Schlafen und auf dem Katzenklo. Genau deshalb sind deine Beobachtungen so wichtig.

1. Bewegung: Läuft und springt deine Katze anders als früher?

Schmerzen im Bewegungsapparat zeigen sich nicht immer durch deutliches Humpeln. Achte zum Beispiel auf diese Veränderungen:

  • Deine Katze taxiert länger vor einem Sprung oder nutzt plötzlich eine Zwischenstation.
  • Sie springt seltener auf hohe Plätze oder meidet sie ganz.
  • Ihr Gang wirkt steif oder ungleichmäßig.
  • Sie läuft Treppen anders als früher.
  • Sie streckt sich seltener oder nur noch mit dem Vorderkörper.
  • Sie sitzt auffällig schief.

Vor allem bei älteren Katzen werden solche Veränderungen schnell als normale Alterserscheinung abgetan. Welche körperlichen und alltäglichen Herausforderungen im Alter dazukommen können, liest du in meinem Beitrag „Alte Katze: Probleme bei alternden Katzen„.

2. Katzenklo: Kann deine Katze ihre Haltung gut halten?

Der Gang aufs Katzenklo verrät uns unglaublich viel. Nur schauen wir Menschen dabei verständlicherweise selten so genau hin, wie wir sollten.

Beobachte gelegentlich, wie deine Katze Kot und Harn absetzt:

  • Steht oder hockt sie?
  • Kann sie ihre Position halten? Steht sie zwischendurch auf oder wechselt mehrfach die Haltung?
  • Presst sie sichtbar?
  • Dauert der Absatz länger als früher?
  • Miaut oder schreit sie davor oder währenddessen?

Wenn eine Katze außerhalb des Katzenklos macht, gehört ebenso immer der Körper mitgedacht. Schmerzen beim Einstieg, bei der Haltung oder beim Absatz können ihre Toilettengewohnheiten verändern.

Welche Ursachen sonst noch dahinterstecken können und was du tun kannst, liest du in meinem Beitrag „Deine Katze ist unsauber? So löst du das Problem!„.

3. Fressen: Entscheidend ist nicht nur, ob deine Katze frisst

„Sie frisst doch“ wird oft als Beweis dafür gesehen, dass eine Katze keine Schmerzen haben kann.

Doch wenn du Zahnschmerzen hast, hörst du auch nicht automatisch vollständig auf zu essen. Du findest einen Weg, trotzdem etwas zu dir zu nehmen. Deine Katze macht das ebenfalls.

Schau dir deshalb an, wie sie frisst:

  • Fällt ihr Futter aus dem Maul?
  • Spuckt sie einzelne Stücke wieder aus?
  • Kaut sie überwiegend auf einer Seite?
  • Hält sie den Kopf beim Fressen schief?
  • Hörst du ungewöhnliche Geräusche?
  • Bevorzugt sie plötzlich Nassfutter und lässt Trockenfutter liegen oder umgekehrt?
  • Geht sie zum Napf, riecht am Futter und dreht wieder um, obwohl sie hungrig wirkt?
  • Läuft sie mehrmals zum Futter, frisst aber immer nur kleine Mengen?

Gerade Zahnprobleme lassen sich von außen häufig nicht erkennen. Ein kurzer Blick ins Maul zeigt nur einen Teil. Deshalb kann es sinnvoll sein, in der Praxis auch nach einem Dentalröntgen zu fragen.

Auch Magen-Darm-Probleme und andere Arten von Erkrankungen können durch verändertes Fressen zum Vorschein kommen. Gerade, wenn sich deine Katze öfter übergibt, „mäkeliger“ wird oder du welche der oben genannten Symptome findest, darf mitunter der gesamte Verdauungstrakt mitbedacht werden.

4. Berührung und Fellpflege: Welche Stellen sind unangenehm?

Hat deine Katze früher gerne Streicheleinheiten am Rücken genossen und dreht sich dabei inzwischen blitzschnell um? Zuckt ihre Haut am unteren Rücken? Weicht sie deiner Hand aus? Kratzt oder beißt sie plötzlich, wenn du eine bestimmte Stelle berührst?

Auch die Fellpflege kann dir Hinweise geben:

  • Deine Katze putzt eine Körperstelle auffällig oft.
  • Sie erreicht bestimmte Stellen nicht mehr.
  • Ihr Fell wirkt struppiger oder steht ab.
  • Sie putzt sich insgesamt deutlich weniger oder mehr.
  • Die Krallen sind zu lang und müssen durch Menschen gekürzt werden.

Schmerzen können dazu führen, dass eine Katze eine Stelle ständig bearbeitet. Sie können aber auch dafür sorgen, dass sie die schmerzhafte Bewegung beim Putzen oder Pflegen vermeidet.

5. Ruhe- und Sozialverhalten: Zieht sich deine Katze zurück oder reagiert sie schneller gereizt?

Schmerzen verändern oft, wo eine Katze liegt und wie sie auf Nähe reagiert. Achte unter anderem darauf:

  • Nutzt deine Katze ihre gewohnten Schlafplätze noch?
  • Sind hohe Liegeplätze aus ihrem Alltag verschwunden?
  • Wechselt sie sehr oft ihre Position, als könnte sie nicht bequem liegen?
  • Wirkt ihre Schlafposition angespannt?
  • Zieht sie sich öfter vor Menschen oder anderen Katzen zurück?
  • Reagiert sie bei Sozialkontakten schneller gereizt?
  • Haben sich die Konflikte zwischen deinen Katzen verändert oder verstärkt?

Ein einzelnes Anzeichen ist noch keine Diagnose

Wenn deine Katze einmal schief sitzt oder ein Stück Futter aus dem Maul verliert, bedeutet das nicht automatisch, dass sie starke Schmerzen hat. Schau auf das gesamte Muster: Beobachtest du es immer wieder oder gar öfter? Gibt es mehrere Auffälligkeiten gleichzeitig?

Du musst nicht herausfinden, welche Erkrankung dahintersteckt. Deine Aufgabe ist es, deine Beobachtungen so konkret wie möglich weiterzugeben.

Eine weitere Möglichkeit Schmerzen zu erkennen, ist die Feline Grimace Scale, zu der es eine kostenlose App gibt. Lade sie dir am besten direkt herunter und beobachte deine Katzen in Momenten, in denen sie dösen.

So bereitest du deine Beobachtungen für die Tierarztpraxis auf

„Mit meiner Katze stimmt etwas nicht“ ist ein wichtiges Gefühl. Für die weitere Abklärung braucht es aber möglichst konkrete Informationen.

Filme deine Katze im Alltag

Nimm kurze Videos der Auffälligkeiten auf, zum Beispiel wenn deine Katze läuft, springt, frisst oder aufs Klo geht. So kann deine Tierärztin sehen, was deine Katze in der Praxis gerade nicht zeigt.

Schreib ein bis zwei Wochen mit

Notiere Datum, Situation und deine konkrete Beobachtung. Schreib auch auf, was unmittelbar davor und danach passiert ist.

Vermeide Bewertungen wie „Sie war zickig“ oder „Er war beleidigt“. Schreib stattdessen: „Sie hat mich gekratzt, als ich ihren unteren Rücken berührt habe.“ Oder: „Er ist vor dem Sprung dreimal vor- und zurückgewippt und dann über den Stuhl aufs Fensterbrett gestiegen.“

Frag konkret nach

Je nachdem, was dir aufgefallen ist, kannst du in der Praxis zum Beispiel nachfragen:

  • Wäre eine orthopädische oder neurologische Untersuchung sinnvoll?
  • Sollten die Zähne mit Dentalröntgen untersucht werden?
  • Könnte eine zeitlich begrenzte Schmerztherapie zur Abklärung infrage kommen? Welche Veränderungen sollte ich währenddessen beobachten?

Welche Untersuchung wirklich sinnvoll ist, entscheidet natürlich die behandelnde Tierärztin. Deine Beobachtungen geben ihr Hinweise darauf, wo sie genauer hinschauen könnte.

Hol dir eine zweite Meinung, wenn dich etwas nicht loslässt

Auch eine gründliche Untersuchung ist eine Momentaufnahme. Fachpersonen haben unterschiedliche Schwerpunkte und Erfahrungen. Wenn du weiterhin Auffälligkeiten siehst, darfst du noch einmal nachfragen oder eine zweite Meinung einholen. Das ist keine Respektlosigkeit, sondern deine Verantwortung als KatzenhalterIn.

Warum ich bei diesem Punkt so hartnäckig bin

In meiner Arbeit als Katzentrainerin und -verhaltensberaterin sehe ich sehr viel. Ich könnte Bücher darüber schreiben, was alles schief läuft. Für jetzt möchte ich dir von einer Situation mit meiner eigenen Katze Yui erzählen:

Meine Yui wurde dreimal orthopädisch untersucht. Dreimal gab es keinen Befund. Ich war trotzdem überzeugt, dass mit ihrem Bewegungsapparat etwas nicht stimmt.

Also habe ich weiter beobachtet, aufgeschrieben und noch jemanden hinzugeholt, obwohl davor schon ein ganzes Ärzteteam draufgeschaut hat. Und letztendlich haben wir nicht nur ein, sondern gleich mehrere Probleme gefunden: eine schiefe Hüfte, eine starke Verspannung beim Schulterblatt und eine Patellaluxation.

Keine einzelne Beobachtung hätte mir gesagt, was Yui hat. Entscheidend war das Muster aus vielen kleinen Puzzleteilen. Wenn du bei deiner Katze immer wieder siehst, dass etwas anders ist, verdient das Aufmerksamkeit.

Was Schmerzen mit Streit zwischen Katzen zu tun haben

Wenn eine Katze Schmerzen hat, kann Nähe anstrengend oder sogar bedrohlich werden. Es kann wehtun, wenn die andere Katze sie berührt. Kommt sie schlechter von einem hohen Platz herunter, fühlt sie sich dort schneller bedrängt. Dann verteidigt sie ihren Raum womöglich früher als sonst.

Mit der medizinischen Behandlung ist die Arbeit deshalb oft noch nicht vorbei. Über Wochen oder Monate können schlechte Erfahrungen zwischen den Katzen entstanden sein. Das Vertrauen muss wieder wachsen. Es braucht sichere Abläufe, neue Routinen und viele gute Begegnungen. Dafür ist Training wichtig.

Positive Erfahrungen zwischen den Katzen bringen dir allerdings wenig, solange es einer Katze körperlich nicht gut geht.

Deshalb beginne ich bei Streit im Mehrkatzenhaushalt immer bei der Basis: beim Körper, bei den Bedürfnissen, bei der Umgebung und bei der Frage, wie es jeder einzelnen Katze wirklich geht.

Du bist die Stimme deiner Katze

Deine Beobachtungen sind die Verbindung zwischen dem Alltag deiner Katze und der Tierarztpraxis. Je besser du ihren Normalzustand kennst, desto schneller fallen dir Veränderungen auf und desto konkreter kannst du für sie einstehen.

Wenn du lernen möchtest, deine Katzen als Ganzes zu betrachten und dabei Streit, Unsauberkeit und Ängstlichkeit zu lösen, ist der Miezclub dein Weg dorthin. Dort geht es um Gesundheit, Bedürfnisse, Angst, Stress, Umgebung, Persönlichkeiten und die Fähigkeiten deiner Katzen. Dazu bekommst du Expertinnen-Talks mit Tierärztinnen und Physiotherapeutinnen, in denen wir diese Themen vertiefen.

Schritt für Schritt entsteht so ein Gesamtbild deiner Katzen und ein Plan, der wirklich zu euch passt.

Hey, ich bin Cindy,

deine Katzentrainerin mit Spezialisierung auf Disharmonie im Mehrkatzenhaushalt. Ich helfe dir, Streit, Angst und Stress zwischen Katzen zu lösen, indem du sie rundum glücklich und kompetent machst. Denn glückliche Katzen machen auch uns Menschen glücklich!

Deine Katzen streiten sich ständig?
Eine Katze zieht sich immer mehr zurück oder reagiert aggressiv?

In meinem Leitfaden um 0 € erfährst du, wie du es schaffst, dass sich deine Katzen besser verstehen.

Häufig gestellte Fragen

Achte vor allem auf Veränderungen im Verhalten. Sie springt anders, frisst auffällig, verändert ihre Haltung auf dem Katzenklo, reagiert empfindlicher auf Berührungen oder zieht sich öfter zurück. Tritt eine Veränderung neu auf oder beobachtest du mehrere Auffälligkeiten, sollte deine Katze tierärztlich untersucht werden.

Ja. Fressen, Spielen und Kuscheln schließen Schmerzen nicht aus. Katzen finden oft Wege, ihren Alltag an die Beschwerden anzupassen. Deshalb lohnt es sich, genauer auf das Wie zu achten: Wie frisst sie? Wie bewegt sie sich? Wie lange spielt sie und welche Bewegungen vermeidet sie dabei?

Ja. Mit Schmerzen reagieren viele Katzen, ähnlich uns Menschen, gereizter und fordern mehr Abstand ein. Das kann zu Fauchen, Schlagen, Rückzug oder Angriffen führen. Eine plötzliche Veränderung im Sozialverhalten gehört deshalb medizinisch abgeklärt.

Filme deine Katze in ihrem Alltag und notiere möglichst genau, wann die Auffälligkeit auftritt. Frag in der Praxis, welche gezielte Untersuchung als Nächstes sinnvoll sein könnte. Wenn du weiterhin ein klares Muster beobachtest, darfst du dir eine zweite Meinung holen.

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