Katze bestrafen? Was sie dabei wirklich lernt

Katze bestrafen?

Was sie dabei wirklich lernt

Du sagst zum zehnten Mal „Nein!“. Deine Katze springt vom Tisch. Für einen Moment ist Ruhe. Fünf Minuten später sitzt sie wieder oben.

Oder deine Katzen jagen sich durch die Wohnung. Du klatschst in die Hände, beide bleiben erschrocken stehen und gehen auseinander. Am nächsten Tag beginnt alles von vorn.

In solchen Momenten sieht es so aus, als hätte deine Reaktion funktioniert. Das Verhalten hat aufgehört, zumindest kurz.

Aufgehört ist allerdings nicht gelernt.

Deshalb ganz klar: Ich empfehle dir, deine Katze nicht zu bestrafen. Du brauchst keine Strafe, um ihr Verhalten nachhaltig zu verändern.

In diesem Beitrag erfährst du, was deine Katze durch Schimpfen, Anspritzen und andere Strafen wirklich lernt. Du bekommst außerdem drei konkrete Schritte, mit denen du Verhalten nachhaltig veränderst.

Du hörst lieber statt zu lesen?

Hier kannst du dir meine zugehörige Podcastfolge anhören:

Das Wichtigste in Kürze

Ob etwas für deine Katze eine Strafe ist, zeigt sich an der Entwicklung ihres Verhaltens. Tritt es in Zukunft seltener auf, hat deine Reaktion bestrafend gewirkt. Hört deine Katze nur in diesem Moment auf, hast du das Verhalten unterbrochen. In dem Fall war es keine Strafe.

Deine Katze kann ein unangenehmes Erlebnis, wie eine vermeintliche Strafe, mit ganz anderen Dingen verbinden als von dir beabsichtigt: mit dir, einem Ort, einem Geräusch oder der anderen Katze. Dazu kommt, dass die Ursache ihres Verhaltens bestehen bleibt.

Ich empfehle dir deshalb, deine Katze nicht zu bestrafen. Strafe kann Unsicherheit und Konflikte verstärken, verändert die Ursache des Verhaltens nicht und zeigt deiner Katze keine passende Alternative.

Was bedeutet es überhaupt, eine Katze zu bestrafen?

Wenn wir von Strafe sprechen, denken wir meistens an eine unangenehme Reaktion auf unerwünschtes Verhalten. Dazu gehören zum Beispiel:

  • die Katze mit Wasser anspritzen,
  • laut Nein sagen oder schreien,
  • in die Hände klatschen,
  • die Katze anfauchen oder anzischen,
  • etwas nach ihr werfen,
  • sie grob von einem Platz herunterholen,
  • sie als Reaktion auf ihr Verhalten wegsperren.

In der Lerntheorie zählt allerdings nicht, was du beabsichtigt hast. Entscheidend ist, wie sich das Verhalten deiner Katze danach entwickelt:

  • Zeigt sie das Verhalten in Zukunft seltener, hat deine Reaktion als Strafe gewirkt.
  • Tritt es gleich oft auf, hast du es lediglich unterbrochen.
  • Zeigt sie es anschließend öfter, hat deine Reaktion das Verhalten verstärkt.

Der letzte Punkt klingt im ersten Moment seltsam. Manche Katzen bekommen durch ein lautes Nein genau das, was sie gerade gesucht haben: Du schaust sie an, sprichst mit ihnen oder gehst zu ihnen hin. Diese Aufmerksamkeit kann sich lohnen.

Wenn deine Katze an der Tür kratzt, Dinge herunterwirft oder nachts miaut und du jedes Mal reagierst, kann das Verhalten dadurch sogar zunehmen. Im Beitrag „Katze ignorieren? Warum das keine gute Idee ist“ zeige ich dir, wie du auf solche Kontaktaufnahmen reagieren kannst, ohne jede Forderung sofort zu erfüllen.

Warum sich Strafe trotzdem wirksam anfühlt

Ein anstrengender Tag, zwei aufgeregte Katzen und zum fünften Mal fliegt Fell durch die Wohnung. In solchen Situationen rutscht ein „Nein“ schnell heraus. Wenn deine Katzen nach deinem Nein auseinandergehen, lässt der Druck für einen Moment nach. Genau diese Erleichterung merkt sich dein Gehirn. Beim nächsten Mal sagst du wieder Nein, weil es dir schon einmal eine kurze Pause verschafft hat.

Damit hast auch du etwas gelernt: Mein Nein beendet die Situation kurz.

Das erklärt, warum wir dieselbe Reaktion zehn, zwanzig oder dreißig Mal wiederholen, obwohl sich am Verhalten der Katze kaum etwas verändert. Die sofortige Ruhe fällt uns stärker auf als die Tatsache, dass wir morgen oder ein paar Minuten später erneut eingreifen müssen.

Du kannst das bei euch recht einfach prüfen. Schau nicht nur darauf, was direkt nach deiner Reaktion passiert. Vergleiche mehrere Tage oder Wochen: Wird das Verhalten wirklich seltener, bleibt es gleich oder nimmt es sogar zu?

Was lernt deine Katze durch Strafe?

Stell dir vor, deine Katze jagt ihre Partnerkatze durch den Flur. Du rufst laut und wirfst ein Kissen in ihre Richtung. Sie erschrickt und stoppt.

Du möchtest ihr damit sagen: „Jage die andere Katze nicht.“ Für deine Katze ist diese Botschaft aber nicht automatisch erkennbar. Sie erlebt mehrere Dinge gleichzeitig: den Flur, die andere Katze, deine Anwesenheit, eine Bewegung, ein Geräusch und plötzlich einen Schreck.

Sie könnte daraus ganz unterschiedliche Schlüsse ziehen:

  • In diesem Flur passieren unangenehme Dinge.
  • Wenn die andere Katze auftaucht, wird es gefährlich.
  • Mein Mensch ist manchmal unberechenbar.
  • Ich darf dieses Verhalten nur zeigen, wenn niemand hinsieht.
  • Deutliche Warnungen bringen mir Ärger ein.

Welchen Zusammenhang deine Katze abspeichert, kannst du nicht festlegen. Genau darin liegt ein großes Risiko von Strafe. Sie zeigt deiner Katze nicht, wie sie sich deiner Meinung nach richtig verhält, was sicher ist oder warum du jetzt eigenartig reagierst.

Manche Katzen werden dadurch wilder, „aggressiver“, andere vorsichtiger, angespannter oder zeigen insgesamt weniger Verhalten. Von außen wirkt das schnell wie Ruhe. Es kann aber bedeuten, dass die Katze nicht mehr weiß, welche ihrer Handlungen sicher sind. Mehr darüber liest du im Beitrag „Erlernte Hilflosigkeit bei Katzen: Wenn deine Katze aufgibt„.

Strafe verändert nicht, warum sich deine Katze so verhält

Verhalten erfüllt immer eine Funktion. Deine Katze kratzt nicht an der Schlafzimmertür, um dich zu ärgern. Sie möchte Zugang, Kontakt, Beschäftigung oder etwas anderes erreichen. Auch wenn eine Katze ihre Partnerkatze jagt, gibt es einen Grund dafür.

Dahinter können unter anderem Schmerzen, unerfüllte Bedürfnisse oder fehlende Fähigkeiten stecken. Eine Katze mit Schmerzen ist schneller gereizt. Fehlen ihr sichere Wege, Rückzugsorte oder Beschäftigung, steigt ihr Stress. Hat sie nie gelernt, in einer schwierigen Situation wegzuschauen, Abstand herzustellen oder sich wieder zu beruhigen, greift sie auf die Strategien zurück, die ihr zur Verfügung stehen.

An all diesen Ursachen ändert Strafe nichts. Die Schmerzen bleiben. Das Bedürfnis bleibt unerfüllt. Und die Katze hat weiterhin keine andere Möglichkeit gelernt, mit der Situation umzugehen.

Bei Streit zwischen Katzen kann die Strafe sogar zusätzliche Anspannung hineinbringen. Sieht deine Katze ihre Partnerkatze und wird genau in diesem Moment erschreckt, kann deren Anwesenheit noch unangenehmer für sie werden. Welche Ursachen bei Katzenstreit eine Rolle spielen können, erfährst du im Beitrag „Wenn Katzen streiten: Was hinter der Disharmonie steckt„.

Warum du Fauchen und Knurren nicht bestrafen solltest

Fauchen und Knurren klingen für uns bedrohlich. Gerade im Mehrkatzenhaushalt entsteht schnell der Impuls, diese Signale sofort zu unterbinden.

Für Katzen sind sie wichtige Kommunikation. Ein Fauchen kann bedeuten: „Das ist mir zu viel. Bleib weg.“ Hört die andere Katze darauf und vergrößert den Abstand, wurde ein körperlicher Konflikt verhindert.

Schimpfst du für diese Warnung, verschwindet das Gefühl dahinter nicht. Die Katze ist weiterhin unsicher, wütend oder überfordert. Sie kann aber lernen, dass Fauchen oder Knurren zu einer unangenehmen Reaktion von dir führt. Dann warnt sie gegebenenfalls gar nicht mehr, sondern greift die andere Katze direkt an. Das macht den Konflikt schlimmer und für dich schwerer vorhersehbar.

Nimm Fauchen oder Knurren daher als Information. Deine Katze zeigt dir, dass sie mehr Abstand oder Unterstützung braucht.

Katze erziehen ohne Strafe: Diese drei Schritte helfen

Wenn du das Verhalten deiner Katze nachhaltig verändern möchtest, brauchst du keine Strafe. Stattdessen schaust du auf die Ursache, gestaltest schwierige Situationen neu und bringst deiner Katze eine passende Alternative bei. Dabei helfen dir diese drei Schritte.

Schritt 1: Warum zeigt deine Katze dieses Verhalten?

Beobachte, was unmittelbar vor dem Verhalten passiert und was deine Katze dadurch erreicht.

  • Wann tritt es auf?
  • Wer ist anwesend?
  • Welche Orte oder Ressourcen spielen eine Rolle?
  • Wie wirkt die Katze kurz davor?
  • Was passiert direkt danach?
  • Bekommt sie Abstand, Zugang, Futter, Beschäftigung oder Aufmerksamkeit?

Schau außerdem auf Veränderungen der letzten Wochen und auf mögliche körperliche Beschwerden. Ein kurzes Video und ein einfaches Protokoll können dir helfen, Muster zu erkennen.

Schritt 2: Was kannst du im Alltag verändern?

Wenn der Alltag die Bedürfnisse deiner Katzen gut erfüllt, fallen viele Auslöser für unerwünschtes Verhalten weg.

Bei Konflikten kann das heißen, Sackgassen aufzulösen, erhöhte Plätze mit mehreren Wegen auszustatten und Futterstellen in getrennten Bereichen anzubieten. Mehrere gut verteilte Toiletten, Rückzugsorte und Kratzmöglichkeiten senken Konkurrenz.

Bei nächtlichem Miauen können eine verlässliche Abendroutine und mehr Beschäftigung am Tag helfen. Kratzt deine Katze an Möbeln, fehlen eventuell passende Kratzmöglichkeiten an den richtigen Orten. Wirft sie Dinge vom Tisch, braucht sie eventuell eine andere verlässliche Möglichkeit, deine Aufmerksamkeit zu bekommen.

Wenn deine Katze mehr erwünschtes Verhalten zeigt, bleibt automatisch weniger Raum für das unerwünschte. Du kannst das unerwünschte Verhalten zusätzlich erschweren oder verhindern. Kratzt deine Katze zum Beispiel am Sofa, stell eine passende Kratzmöglichkeit direkt an die betroffene Stelle. Zusätzlich kannst du das Sofa vorübergehend mit einem geeigneten Möbelschutz abdecken oder bekleben.

Schritt 3: Was soll deine Katze stattdessen tun?

Formuliere eine konkrete Alternative. „Sie soll aufhören“ ist kein Trainingsziel.

Deine Katze kann zum Beispiel lernen,

  • auf einen sicheren Platz zu gehen,
  • sich an dir zu orientieren,
  • an der anderen Katze vorbeizugehen,
  • dir über einen bestimmten Weg mitzuteilen, was sie möchte,
  • an anderen Orten zu kratzen,
  • auf einem Warteplatz zu warten.

Trainiere diese Alternative zuerst in einer leichten Situation. Erst wenn sie dort gut klappt, können kleine Ablenkungen dazukommen. Bei Angriffen auf eine Zweitkatze findest du im Beitrag „Katze greift Zweitkatze an: 4 Wege, wie sie eine Alternative lernt“ konkrete Trainingsideen.

Du musst nicht perfekt reagieren

Ein lautes Nein kann jedem mal herausrutschen. Entscheidend ist nicht, dass du immer perfekt reagierst, sondern was du danach daraus machst. 

Wenn du immer wieder in dieselbe Situation gerätst, brauchst du einen Plan, der dich und deine Katze entlastet. Finde heraus, warum das Verhalten da ist, verhindere vermeidbare schwierige Situationen und übe eine Alternative.

So arbeitest du mit deiner Katze. Und ihr Verhalten kann sich wirklich verändern.

Im Miezclub lernst du, das Verhalten deiner Katzen einzuordnen, gesundheitliche Ursachen und unerfüllte Bedürfnisse zu erkennen und passende Fähigkeiten aufzubauen. So wirst du Schritt für Schritt zur Expertin für deine eigenen Katzen.

Hey, ich bin Cindy,

deine Katzentrainerin mit Spezialisierung auf Disharmonie im Mehrkatzenhaushalt. Ich helfe dir, Streit, Angst und Stress zwischen Katzen zu lösen, indem du sie rundum glücklich und kompetent machst. Denn glückliche Katzen machen auch uns Menschen glücklich!

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Häufig gestellte Fragen

Das sollte tatsächlich nicht das Ziel sein. Finde zuerst heraus, warum deine Katze das Verhalten zeigt und welches Bedürfnis dahintersteckt. Überlege dann, wie du dieses Bedürfnis besser erfüllen kannst.

Anschließend kannst du das unerwünschte Verhalten erschweren und deiner Katze eine passende Alternative beibringen. Kratzt sie beispielsweise am Sofa, braucht sie zuerst eine geeignete Kratzmöglichkeit genau dort. Das Sofa kannst du vorübergehend abdecken und deine Katze belohnen, wenn sie die neue Kratzmöglichkeit nutzt.

Nein. Strafen sind nicht empfehlenswert, da sie sehr viele unerwünschte Nebenwirkungen haben kann. 

Verhalten hat immer eine Funktion. Durch eine Strafe hemmst du maximal. Du löst aber nicht den Grund, warum sich deine Katze überhaupt so verhält.

Du darfst natürlich ganz normal mit deiner Katze kommunizieren. Ein Nein sagt deiner Katze allerdings nicht, was du von ihr willst. Das ändert das Verhalten daher in der Regel nicht oder zumindest nicht nachhaltig.

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