Diese 5 Fähigkeiten brauchen Katzen im Mehrkatzenhaushalt

Diese Fähigkeiten brauchen Katzen im Mehrkatzenhaushalt

Wie drei Minuten Training am Tag das Zusammenleben deiner Katzen verändern können

Drei Minuten am Tag reichen, um eine Fähigkeit deiner Katze zu stärken.

Auf den ersten Blick sieht Training oft so aus, als hätte es nichts mit dem Streit zwischen deinen Katzen zu tun. Eine Katze lernt, ihre Pfote ganz bewusst einzusetzen. Eine andere läuft über einen ungewohnten Untergrund. Die nächste wartet auf einem Platz, während sich die Zweitkatze in einiger Entfernung bewegt. Oder sie wechselt mehrmals zwischen einer aktiven Aufgabe und einer ruhigen Beschäftigung.

Bei all diesen Übungen passiert im Hintergrund etwas Wichtiges. Deine Katze traut sich etwas. Sie hält einen Impuls kurz aus. Sie kommt mit Frust besser klar. Oder sie lernt, nach Aufregung wieder herunterzufahren.

Genau diese Fähigkeiten verändern auch das Zusammenleben deiner Katzen.

Du hörst lieber statt zu lesen?

Hier kannst du dir meine zugehörige Podcastfolge anhören:

Das Wichtigste in Kürze

Selbstvertrauen, Impulskontrolle, Frustrationstoleranz, Resilienz und Flexibilität erleichtern Katzen das Zusammenleben. Diese Fähigkeiten werden über kleine Übungen im Alltag und in konkreten Trainingssessions aufgebaut. Die Übungen finden dabei zuerst in einfachen und sicheren Situationen statt. Versteht die Katze das Konzept hinter einer Übung, kann die Schwierigkeitsstufe gesteigert werden. Kurze, regelmäßige Einheiten führen dabei langfristig zu einem besseren Miteinander zwischen Katzen, weil die Katzen selbstbewusster und resilienter werden, und besser mit Impulsen und Frust umgehen können.

Verhalten ist nur das, was wir sehen

Eine Katze sitzt im Durchgang. Die zweite möchte an ihr vorbei. Sie wird langsamer, duckt sich und läuft schließlich ganz schnell vorbei. Die sitzende Katze springt auf und verfolgt sie.

Was wir sehen, ist das Verhalten: Eine Katze jagt die andere. Genauso sehen wir, wenn eine Katze einen Weg blockiert, der anderen auflauert oder sie verjagt.

Spannend wird es bei der Frage, warum die Katze das macht. Verhalten hat immer eine Funktion. Und manchmal fehlt einer Katze eine Fähigkeit, die sie bräuchte, um mit der Situation besser klarzukommen.

Eine unsichere Katze braucht mehr Selbstvertrauen. Eine impulsive Katze darf lernen, einer Bewegung nicht sofort zu folgen. Eine Katze mit geringer Frustrationstoleranz darf lernen, dass es okay ist, wenn sie mal etwas nicht bekommt. Dadurch bricht die Welt nicht zusammen. Und eine Katze, die nach jeder Aufregung noch stundenlang angespannt bleibt, darf resilienter werden und ihre Selbstregulation verbessern.

Diese Kompetenzen werden in ganz normalen Alltagssituationen oder konkreten Trainingssessions trainiert. Dort kann deine Katze ausprobieren, lernen und Erfolg haben. Aus vielen kleinen Erfolgserlebnissen entsteht mit der Zeit eine Katze, die auch im Zusammenleben mit anderen Katzen stabiler ist.

Training setzt dabei auf zwei Ebenen an: bei den allgemeinen Fähigkeiten deiner Katze und bei konkreten Alternativverhalten für angespannte Situationen. Beides schauen wir uns an.

Wenn du zuerst genauer verstehen möchtest, warum Katzentraining im Mehrkatzenhaushalt so wirkungsvoll ist und Management allein oft nicht reicht, findest du dazu einen eigenen Beitrag von mir.

Fähigkeit 1: Selbstvertrauen

In meinen Beratungen gibt es fast immer mindestens eine unsichere Katze. Unsicherheit zeigt sich dabei ganz unterschiedlich. Die eine Katze zieht sich zurück oder läuft weg. Die andere blockiert Wege, fixiert die Zweitkatze oder greift immer wieder an. Nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung.

Selbstvertrauen entsteht durch Erfolgserlebnisse. Deine Katze darf immer wieder erfahren: Ich kann etwas ausprobieren. Ich kann eine Herausforderung lösen. Mein Verhalten bewirkt etwas.

Solche Erfolgserlebnisse gibt es an ganz unterschiedlichen Stellen: beim Angelspiel, wenn sie die Beute fängt, bei einer neuen Futterbeschäftigung oder im Training. Dort kann sie zum Beispiel lernen, ihre Pfote bewusst einzusetzen, über einen ungewohnten Untergrund zu gehen oder durch deine Arme zu springen.

Die konkrete Übung ist dabei zweitrangig. Deine Katze darf etwas schaffen, das vorher noch eine Herausforderung für sie war.

Ist deine Katze allgemein sehr ängstlich, schau auch gerne in meinen Beitrag „Ängstliche Katze: 5 einfache Maßnahmen für mehr Selbstbewusstsein“.

Fähigkeit 2: Impulskontrolle

Manche Katzen reagieren auf jeden Impuls sofort.

Da steht Futter: Ich muss hin. Da bewegt sich die Zweitkatze: Ich muss hinterher. Da öffnet sich eine Tür: Ich muss sofort durch.

Oft fehlt dieser Katze schlicht die Fähigkeit, einen Impuls kurz auszuhalten und sich dann bei Bedarf anders zu entscheiden.

Eine mögliche Übung für mehr Impulskontrolle ist ein Warteplatz. Deine Katze lernt dabei, für eine Weile auf einem bestimmten Platz zu bleiben, obwohl gerade etwas Spannendes passiert.

Baue das Warten kleinschrittig über positive Verstärkung auf: Deine Katze ist am Warteplatz? Super, dafür bekommt sie eine Belohnung. Du machst einen kleinen Schritt und sie bleibt sitzen? Wieder eine Belohnung.

Erst wenn das in einer einfachen Situation klappt, kommt langsam etwas mehr Bewegung dazu. Und wenn der Warteplatz wirklich sicher steht, kann sich später auch die Zweitkatze mit ausreichend Abstand im Raum bewegen oder spielen. Deine Katze übt dabei, den Impuls wahrzunehmen und ihm nicht direkt zu folgen.

Fähigkeit 3: Frustrationstoleranz

Impulskontrolle und Frustrationstoleranz hängen eng zusammen. Impulskontrolle hilft deiner Katze dabei, einem Impuls nicht sofort zu folgen. Frustrationstoleranz braucht sie, wenn etwas gerade nicht möglich ist oder nicht sofort passiert.

Im Mehrkatzenhaushalt gibt es dafür ziemlich viele Situationen:

  • Die Zweitkatze bekommt gerade Aufmerksamkeit.
  • Ein spannender Raum ist für einen Moment nicht zugänglich.
  • Das Futter wird vorbereitet, steht aber noch nicht bereit.
  • Die andere Katze spielt, während die andere kurz wartet.

Kann eine Katze mit diesem Frust noch nicht gut umgehen, entlädt er sich mitunter an der Zweitkatze. Sie drängelt sich dazwischen, jagt sie oder greift sie an.

Im Training darf sie lernen: Auch wenn ich etwas gerade nicht sofort bekomme, kann ich kurz warten oder eine andere Möglichkeit annehmen.

Auch hier eignet sich mitunter ein Warteplatz gut. Je nach Situation und Katze können aber auch viele andere Übungen hilfreich und sinnvoll sein.

Fähigkeit 4: Resilienz und Selbstregulation

Manche Katzen sind nach einer aufregenden Situation sehr schnell wieder wie vorher. Andere bleiben noch Stunden oder sogar Tage angespannt.

Das fällt zum Beispiel nach einem Tierarztbesuch besonders stark auf. Eine Katze kommt nach Hause und riecht anders. Die Katzen begrüßen sich und gehen dann wieder ihrer Wege. Oder ihr Stresspegel schießt sofort in die Höhe, und plötzlich wird gefaucht, fixiert oder angegriffen.

Resilienz bedeutet, dass eine Katze Belastungen bewältigen und sich davon wieder erholen kann. Selbstregulation hilft ihr dabei, nach Aufregung wieder herunterzufahren.

Beides lässt sich im Alltag und im Training stärken. Zum Beispiel durch:

  • kleine, gut bewältigbare Veränderungen,
  • neue Aufgaben, die deine Katze erfolgreich lösen kann,
  • den Wechsel zwischen Aktivität und Ruhe,
  • aufgebaute Entspannungsorte und Signale,
  • Verhaltensweisen wie Kratzen oder Schlecken, die deiner Katze beim Herunterfahren helfen können.

Die Veränderungen müssen so klein sein, dass deine Katze neugierig oder zumindest ansprechbar bleibt und Erfolg haben kann.

Fähigkeit 5: Flexibel reagieren

Die ersten vier Fähigkeiten stärken deine Katze von innen heraus. Dazu kommt die Flexibilität, in einer angespannten Situation flexibel und aus menschlicher Sicht adäquat zu reagieren.

Deine Katze kann zum Beispiel lernen:

  • den Blick von der Zweitkatze zu lösen,
  • sich an dir zu orientieren,
  • ruhig wegzugehen,
  • einen bestimmten Platz aufzusuchen,
  • eine vertraute Übung zu zeigen, statt der anderen Katze hinterherzulaufen.

Je mehr davon sie sicher kann, desto mehr Möglichkeiten stehen ihr in einer Konfliktsituation zur Verfügung. Vier mögliche Alternativen und ihre Wirkung stelle ich dir im Beitrag „Katze greift Zweitkatze an: 4 Wege, wie sie eine Alternative lernt“ genauer vor.

Wie du Fähigkeiten Schritt für Schritt aufbaust

Niemand bringt einem Fahranfänger das Autofahren mitten im Berufsverkehr auf der Autobahn bei. Genauso wenig erwarten wir von einer Katze, dass sie eine neue Fähigkeit sofort in einer der schwierigsten Situationen ihres Alltags zeigt. Eine neue Fähigkeit wird also zuerst in einer leichten Situation trainiert.

Für mehr Selbstvertrauen bekommt deine Katze eine Aufgabe, die sie mit etwas Mut schaffen kann. Für mehr Impulskontrolle startet der Warteplatz ohne herumlaufende Zweitkatze. Für mehr Resilienz beginnt eine Veränderung so klein, dass deine Katze neugierig und ansprechbar bleibt. Und ein Alternativverhalten wie „Schau zu mir“ wird zuerst in einer ruhigen Alltagssituation ohne Ablenkungen aufgebaut.

Erst wenn es auf der leichten Schwierigkeitsstufe klappt, können wir schwerer werden.

Hey, ich bin Cindy,

deine Katzentrainerin mit Spezialisierung auf Disharmonie im Mehrkatzenhaushalt. Ich helfe dir, Streit, Angst und Stress zwischen Katzen zu lösen, indem du sie rundum glücklich und kompetent machst. Denn glückliche Katzen machen auch uns Menschen glücklich!

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Warum drei Minuten Training am Tag reichen

Bis Streit und Disharmonie gelöst sind, vergeht eine Weile. Für eine einzelne Trainingseinheit reichen allerdings ein bis drei Minuten. Kurze, regelmäßige Einheiten passen viel besser zur Konzentrationsfähigkeit der Katze als seltene lange Trainingssessions.

Starte mit einer kurzen Einheit am Tag. Wenn es gut in euren Alltag passt, kannst du auch ein- bis dreimal täglich für jeweils ein bis drei Minuten trainieren.

Wichtig sind:

  • ein klares Ziel für diese Katze,
  • eine passende Übung,
  • und ein Schwierigkeitsgrad, der sie fordert, bei dem sie aber trotzdem Erfolg hat.

Du brauchst dafür keine zusätzliche halbe Stunde am Abend. Du brauchst einen Plan, damit in diesen drei Minuten genau die Fähigkeit geübt wird, die deiner Katze im Alltag fehlt.

Diese vier Trainingsfehler verschenken Potenzial

Trainierst du bereits mit deinen Katzen, bemerkst im Alltag aber kaum eine Veränderung? Dann überprüfe diese vier Punkte.

1. Du erwartest das neue Verhalten zu früh in der schwierigen Situation

Ein Verhalten, das deine Katze nur aus ruhigen Momenten kennt, steht ihr im Konflikt noch nicht zur Verfügung. Die Zweitkatze kommt deshalb erst ins Spiel, wenn deine Katze die Übung in einfacheren Situationen sicher zeigt.

2. Du übst immer nur dasselbe

Wenn deine Katze eine Übung längst im Schlaf kann, sammelt sie dabei kaum noch neue Erfolgserlebnisse. Für mehr Selbstvertrauen und Flexibilität braucht es immer wieder neue Herausforderungen.

3. Deine Katze folgt nur dem Leckerli

Wenn du deine Katze mit einem Leckerli vor der Nase durch jede Bewegung führst, sehen die Ergebnisse oft beeindruckend aus. In Wirklichkeit lernt sie dabei aber immer nur dieselbe Übung: Folge dem Futter.

Damit lässt du viel Potenzial liegen. Deine Katze sollte mit deiner Begleitung selbst ausprobieren, nachdenken und herausfinden dürfen, welches Verhalten zum Erfolg führt.

4. Du trainierst nur mit der Katze, die sowieso gerne mitmacht

Natürlich macht das Training mit einer motivierten Katze mehr Spaß. Die Erfolge kommen schnell, und beide Seiten sind zufrieden.

Die Katze, die vermeintlich „nicht trainieren will“, ist allerdings oft genau die, die besonders davon profitieren würde. Dann ist es deine Aufgabe, die Rahmenbedingungen so anzupassen, dass Training auch für sie leicht und lohnenswert wird.

Wenn deine Katze bisher nicht mitmachen möchte, findest du im Beitrag „Wenn deine Katze nicht trainieren will: Die 8 häufigsten Fehler beim Clickern“ mögliche Ursachen.

Training ist ein Teil der Lösung

Fehlende Fähigkeiten sind ein Grund dafür, dass Situationen zwischen Katzen eskalieren. Zusätzlich spielen die Gesundheit, die Bedürfnisse deiner Katzen, ihre bisherigen Erfahrungen miteinander und der gesamte Stress im Alltag eine Rolle.

Ein Trainingsplan kann nur sinnvoll ausgewählt werden, wenn du weißt, was hinter dem Streit steckt und welche Katze welche Unterstützung braucht.

Training wirkt dann am besten, wenn du weißt, warum deine Katzen streiten und welche Fähigkeit welcher Katze fehlt. Einen Überblick über die möglichen Ursachen und die notwendigen Schritte findest du in meinem Webinar „In 3 Schritten zu mehr Harmonie im Mehrkatzenhaushalt“ für 0 €.

Du möchtest wissen, wo du bei deinen Katzen anfangen sollst?

Im Miezclub bekommst du alle wichtigen Anleitungen und einen angepassten Trainingsplan für jede deiner Katzen. So weißt du, welche Fähigkeiten du bei welcher Katze zuerst stärken darfst und welche Übungen dafür sinnvoll sind. Hier findest du alle Informationen zum Miezclub.

Fazit: Mehr Fähigkeiten bedeuten mehr Möglichkeiten

Wenn Katzen streiten, sehen wir meistens nur das Verhalten, das am Ende herauskommt: Eine jagt, eine flieht, eine blockiert oder eine zieht sich zurück.

Das Training beginnt oft weit weg von diesem Moment. Deine Katze benutzt ihre Pfote zum ersten Mal bewusst. Sie traut sich über einen ungewohnten Untergrund. Sie bleibt für einen kurzen Moment auf ihrem Warteplatz, während sich die Zweitkatze bewegt. Oder sie schafft es nach einer aufregenden Aufgabe wieder herunterzufahren.

Jede dieser Übungen stärkt eine Fähigkeit, die deine Katze auch im Zusammenleben braucht: Selbstvertrauen, Impulskontrolle, Frustrationstoleranz, Resilienz und Flexibilität.

Dieser Aufbau braucht viele kleine Einheiten. Jede davon schenkt deiner Katze ein neues Erfolgserlebnis und stärkt sie von innen heraus.

Dafür können schon drei Minuten am Tag ein riesigen Unterschied machen.

Häufig gestellte Fragen

Ja, wenn fehlende Fähigkeiten der Grund sind, dann löst Training die Probleme. Oftmals ist das eine der Stellschrauben. Deswegen dürfen wir auch immer mögliche gesundheitliche Ursachen, unerfüllte Bedürfnisse, die Haltung und bisherige Erfahrungen zwischen den Katzen mitdenken.

Im Idealfall trainierst du mit jeder Katze einzeln und stärkst genau die Fähigkeiten, die ihr fehlen. Das kann bei der einen Katze mehr Selbstvertrauen sein und bei der anderen mehr Impulskontrolle oder Frustrationstoleranz.

Nein. Du kannst auch ein anderes kurzes Markersignal verwenden. Wichtig ist, dass deine Katze eindeutig versteht, welches Verhalten sich gerade gelohnt hat, und danach eine passende Belohnung bekommt.

Für eine Trainingseinheit reichen oft schon ein bis drei Minuten. Ein sinnvoller Trainingsplan, passende kleine Schritte und Regelmäßigkeit machen den Unterschied. Die täglichen kurzen Einheiten bauen nach und nach die Fähigkeiten auf, die deine Katzen im Alltag brauchen. 

Hey, ich bin Cindy,

deine Katzentrainerin mit Spezialisierung auf Disharmonie im Mehrkatzenhaushalt. Ich helfe dir, Streit, Angst und Stress zwischen Katzen zu lösen, indem du sie rundum glücklich und kompetent machst. Denn glückliche Katzen machen auch uns Menschen glücklich!

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